War­um Android noch lan­ge nicht das iPho­ne und das iPad über­holt hat

Gera­de lese ich bei Zat­too, dem Inter­net Live TV-Anbie­ter aus der Schweiz, einen inter­es­san­ten Bei­trag des CTO Ste­fan Lietsch. Lietsch schreibt:

Die zwei größ­ten Pro­ble­me bei Android die wir bis heu­te noch nicht zufrie­den­stel­lend lösen konn­ten sind die Gerä­te­viel­falt und das Strea­ming von Live Inhal­ten.

Im Gegen­satz zu iOS gibt es bei Android hun­der­te ver­schie­de­ne Gerä­te mit jeweils unter­schied­li­chen Soft­ware­ver­sio­nen und Her­stel­ler­an­pas­sun­gen. Mit die­sem Umstand müs­sen alle Andro­id­ent­wick­ler leben und solan­ge man nichts exo­ti­sches macht, lässt sich das auch bewerk­stel­li­gen. Nun kommt aber das The­ma Strea­ming von Live Inhal­ten ins Spiel. Hier setz­te Android bis­her aus­schliess­lich auf Flash, was sich aber als so res­sour­cen­hung­rig und insta­bil erwies, dass sogar Ado­be beschloss die Ent­wick­lung für mobi­le Gerä­te ein­zu­stel­len. Das auf iOS bes­tens unter­stütz­te HTTP Live Strea­ming wird nur von sehr weni­gen Andro­id­ge­rä­ten nativ unterstützt.

Bes­ser kann man es nicht auf den Punkt brin­gen. Dies ist auch unser immer wie­der­keh­ren­des Erleb­nis bei datomo. Ich tei­le nicht die Auf­fas­sung, das die­ses Pro­blem nur dann auf­tritt, wenn man nichts Exo­ti­sches macht, das Pro­blem stellt sich im Kern für jeden Android-Ent­wick­ler. Android hat mitt­ler­wei­le eine ähn­li­che Ent­wick­lung wie Fire­fox genom­men, wo man nach jedem Update aufs Neue über­rascht wird, ob Plugins und Addons noch spie­len (oder Wor­d­Press, Joom­la usw.). Open Source hat — bei allen Chan­cen und Vor­tei­len — auch gro­ße Risi­ken. RIM macht zur Zeit den Feh­ler, aus Ver­zweif­lung? aus dem geschlos­se­nen Eco­sys­tem Black­Ber­ry aus­zu­bre­chen und (mit gro­ßer Sor­ge?) auf den Android-Zug aufzuspringen.

Wenn man die Zer­klüf­tung dann noch vor dem Hin­ter­grund der Pro­ble­me Jail­b­reak und /​oder Roo­ting sieht, wer­den die Pro­ble­me für Android noch grö­ßer. Wäh­rend Apple, in den Anfangs­jah­ren auch hef­tig von Jail­b­reaks (dem Ent­fer­nen der vom Her­stel­ler ein­ge­brach­ten Beschrän­kun­gen — umgangs­sprach­lich Hacken) betrof­fen war und dies mitt­ler­wei­le weit­ge­hend unter Kon­trol­le brin­gen konn­te, ist das The­ma Roo­ting bei Android aus mei­ner Sicht nicht beherrsch­bar. Roo­ting ist etwas ähn­li­ches wie Jail­b­rea­king, hier­bei wird der Zugang auf die (eigent­lich gesperr­te) Root­ebe­ne (unters­te Ebe­ne eines Gerä­tes) her­ge­stellt. Dadurch wer­den sämt­li­che Beschrän­kun­gen des Her­stel­lers auf­ge­ho­ben und Schad­soft­ware kann belie­big auf die Gerä­te gebracht wer­den. Apple konn­te die­ses Pro­blem — wenn auch erst nach vie­len Anläu­fen und mit gro­ßem Auf­wand — mitt­ler­wei­le in den Griff bekom­men, unter ande­rem auch des­halb, weil sie über ein geschlos­se­nes und nur von ihnen allein ver­ant­wor­te­tes Sys­tem verfügen.

Für Android erscheint mir das unmög­lich. Hier fehlt nicht nur die Durch­gän­gig­keit und Ein­heit­lich­keit des Sys­te­mes, hier gibt es dar­über hin­aus noch hun­der­te Angriffs­pe­ri­me­ter auf das Betriebs­sys­tem durch die Zer­klüf­tung sei­tens der Gerä­te­her­stel­ler. Es erscheint mir unmög­lich, die­ses Sze­na­rio dau­er­haft zu beherr­schen. Mei­nes Erach­tens wird die Zukunft unter­schied­li­che Ent­wick­lungs­li­ni­en von Android brin­gen, die nicht mehr mit einer ein­heit­li­chen Soft­ware­ent­wick­lung beant­wor­tet wer­den kön­nen. Der Weg wird zu Lösun­gen füh­ren, die unab­hän­gig von der dar­un­ter lie­gen­den Platt­form wer­den. Wie schwer die Situa­ti­on heu­te ist, sieht man exem­pla­risch auch dar­an, dass RIM sich genö­tigt fühlt für die Por­tie­rung von Soft­ware auf sein Play­book die Gerä­te an die Ent­wick­ler zu ver­schen­ken!

Aber noch ein Aspekt ver­dient Beach­tung. Wäh­rend Apple wei­test­ge­hend einen ordent­li­chen Job bei der Kon­trol­le der im App Store ange­bo­te­nen Pro­gram­me macht — trotz manch­mal schwach­sin­ni­ger Zen­sur, Alters­emp­feh­lun­gen und der­glei­chen — ist dies im Android Mar­ket nicht der Fall. Auf einem iPho­ne oder einem iPad kann man rela­ti­ve sicher sein, sich kei­ne schäd­li­chen Pro­gram­me aus dem App Store zu laden. Der Android Anwen­der hin­ge­gen braucht Kennt­nis und ein gutes Gespür, sich von Mal­wa­re fern­zu­hal­ten. Lei­der ist bis heu­te im Android Mar­ket kein Kon­zept zu erken­nen, wie Goog­le beab­sich­tigt die Anwen­der lang­fris­tig vor Mal­wa­re aus dem Android Mar­ket zu schüt­zen. Dies ist ein Pro­blem, wel­ches in den kom­men­den Mona­ten und Jah­ren stark an Bedeu­tung zuneh­men wird.

Mei­ne Schluss­fol­ge­rung: Android wird es wei­ter geben. Android wird bei Bast­lern und Freaks wei­ter einen hohen Stel­len­wert haben und mit jedem Roo­ting für bestimm­te Anwen­der­grup­pen sogar noch attrak­ti­ver. Ich glau­be aber auch, dass Android beim Durch­schnitts-Nut­zer, der sein Gerät ein­fach nur benut­zen möch­te, Markt­an­tei­le ver­lie­ren wird. Für die brei­te Mehr­heit haben Sys­te­me die Zukunft, die ein­fach zu bedie­nen sind, durch­gän­gig ein­fach nur funk­tio­nie­ren und kei­nen Stress machen. Wenn eine App, die ich gela­den oder viel­leicht sogar gekauft habe dann am Ende nicht funk­tio­niert, ärge­re ich mich ein­fach nur. Auf Android wird dies­be­züg­lich noch viel Ärger zukommen!

Die Zukunft gehört geschlos­se­nen Sys­te­men. Das hat Apple beim iPod gezeigt, beim iPho­ne bewie­sen und beim iPad schließ­lich per­fek­tio­niert. Und auch RIM hat­te dies bewie­sen, bevor sie lei­der von die­sem Weg abka­men. Ich glau­be aller­dings, dass neben Apple noch Platz für 1–2 ande­re geschlos­se­ne Sys­te­me ist. Eines davon könn­te Bada sein, was für Sam­sung auch stra­te­gisch Sinn geben könn­te, denn um Bada her­um könn­te man eine ähn­li­che Welt ent­wi­ckeln, wie es Apple gelun­gen ist. Wer kommt noch in Fra­ge? Viel­leicht sogar Nokia, die in Kom­bi­na­ti­on mit Micro­soft gege­be­nen­falls wie­der auf­ste­hen. Android und alle die dar­auf set­zen aber wohl eher nicht.

Was mei­nen Sie?


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