PRISM, Tem­po­ra & Co — Inter­es­san­te Bei­trä­ge zum Thema

Mir fällt es schwer in den letz­ten Wochen all die teil­wei­se her­vor­ra­gen­den Quel­len zum The­ma PRISM & Tem­po­ra zu ver­ar­bei­ten, auf die mich unse­re Leser hin­wei­sen oder die mir — vor­ran­gig auf Twit­ter — begeg­nen. Des­halb schrei­be ich heu­te ein­mal einen Bei­trag, in dem ich auf beson­ders inter­es­san­te Bei­trä­ge zum aktu­el­len Skan­dal hin­wei­se, neben den Arti­keln, die Sie im Pre­tio­so-Blog zu die­sen The­men finden.

Vor­ab noch eine Bit­te — tun Sie jetzt und gleich etwas für Ihre und unse­re Frei­heit und unter­zeich­nen Sie die Peti­ti­on EU Par­la­ment und EU Kom­mis­si­on: Über­wa­chung abrüs­ten, Daten­schutz stär­ken, Whist­leb­lower schüt­zen! von Anke Dom­scheit-Berg. Der­zeit feh­len noch rund 7.000 Unter­schrif­ten, des­halb haben wir die­se Peti­ti­on auch hier im Blog jetzt ver­linkt. Und ver­brei­ten Sie die Peti­ti­on über die Social Media, denn vie­le wis­sen gar nicht, dass es die­se Peti­ti­on gibt.

Vor eini­gen Tagen stieß ich auf eine Rede des Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten der Pira­ten in NRW, Dani­el Schwerd. Sur­fen Sie ein­mal zum Bei­trag Ple­nar­re­de “Wirt­schafts­spio­na­ge durch Über­wa­chungs­pro­gram­me wie PRISM und Tem­po­ra” und lesen Sie die Rede, es lohnt sich. Die­se Wahr­hei­ten hören Sie nicht in den Reden der ange­pass­ten Polit­lu­schen von CDU, SPD, FDP und Grü­nen — das Estab­lish­ment freut sich ja im Kern über PRISM, wie Sie wei­ter unten in einem Bei­trag von Paul Schrey­er lesen können.

Doro­thea Hahn hat in der TAZ ein ein­drucks­vol­les Inter­view mit dem Whist­leb­lower Tho­mas Dra­ke abge­lie­fert, das jeder lesen soll­te, der noch an die guten Ame­ri­ka­ner glaubt. Wer dies noch nach der Lek­tü­re glaubt, glaubt sicher auch an Weih­nachts­mann, Oster­ha­se & Co. Sie sind beses­sen ist der kur­ze, aber prä­gnan­te Titel die­ses Mustread. Wir haben über Dra­ke im Bei­trag Tho­mas Dra­ke — Der ganz ‘nor­male’ Faschis­mus der NSA wird greif­bar vor rund zwei Mona­ten aus­führ­li­cher gesprochen.

Judith Hor­chert, Ole Reiß­mann und Chris­ti­an Stö­cker haben im Spie­gel ein bemer­kens­wer­tes Essay gegen die all­ge­gen­wär­ti­gen Ver­harm­lo­ser des Skan­dals abge­lie­fert. Wer den Essay NSA-Aus­späh­skan­dal: Fünf Argu­men­te gegen die Ver­harm­lo­ser liest wird ver­ste­hen, dass Ver­harm­lo­sung der fal­sches­te Weg im Umgang mit dem Skan­dal ist. Die Autoren lie­fern mit die­sem Bei­trag einen wei­te­ren Mosa­ik­stein guten Jour­na­lis­mus, der den Spie­gel zum Leucht­turm in der aktu­el­len Auf­ar­bei­tung und Auf­de­ckung der aktu­el­len Skan­da­le macht. Alle, die sonst kri­ti­schen Jour­na­lis­mus rekla­mie­ren, rei­hen sich bei PRISM & Co ver­däch­tig in die Rei­he der Ver­harm­lo­ser ein. stern, Fokus, Zeit, FAZ, Süd­deut­sche & Co lie­fern ein Armuts­zeug­nis nach dem ande­ren, was in der Durch­gän­gig­keit dann wie­der­um schon als kon­se­quent bewer­tet wer­den muss.

Ein beson­ders nega­ti­ves Bei­spiel unkri­ti­schen Geschreib­sels lie­fert Roland Lind­ner in der FAZ mit sei­nem Bei­trag Micro­soft hält deut­sche Daten­sor­ge für schäd­lich. Pein­lich, pein­li­cher, am pein­lichs­ten möch­te man rufen, wenn man die­sen Bei­trag liest, den Lind­ner auch noch mit Aus­sa­gen des über­flüs­sigs­ten IT-Lob­by­is­ten, Die­ter Kempf von der Bit­kom, ‘ver­edelt’. Jour­na­lis­mus ohne Ein­ord­nung und ohne Bewer­tung braucht die Welt nicht, noch weni­ger, als das pein­li­che Gestam­mel von Microsoft’s Deutsch­land-Statt­hal­ter Illek, des­sen pein­li­che Wün­sche Lind­ner unkom­men­tiert berichtet:

Ich hof­fe, dass die­se Dis­kus­si­on wie­der abflaut.“

Die­ser Wunsch Illek’s ist der pein­li­che Schluß­satz des Bei­tra­ges. Man möch­te Lind­ner zuru­fen, dass es sei­ne Auf­ga­be wäre, mit­zu­wir­ken die­se Dis­kus­si­on im Gang zu hal­ten. Aber das ist bei der­ar­ti­ger Hof­be­richt­erstat­tung nicht zu erwarten.

Der viel­leicht lesens­wer­tes­te Bei­trag zum The­ma ist heu­te auf hei​se​.de erschie­nen, ein Bei­trag, den man mehr­mals lesen kann und soll­te, denn auch beim zwei­ten und drit­ten Lesen regt er zu wei­te­rem Nach­den­ken an. War­um wer­den wir abge­hört? fragt Paul Schrey­er und legt sei­ne Gedan­ken zum The­ma in beein­dru­cken­der Klar­heit und Prä­zi­si­on dar. Schrey­er ana­ly­siert mes­ser­scharf das empö­ren­de Lügen­ge­bäu­de der Ame­ri­ka­ner und der es nach­plap­pern­den deut­schen Polit­lu­schen und bringt die dahin­ter­lie­gen­de Wahr­heit bril­li­ant auf den Punkt:

Die Aus­wei­tung der Geheim­dienst­spit­ze­lei auf das eige­ne Volk ist ein so kla­res Merk­mal auto­ri­tä­rer Sys­te­me, dass auch im jet­zi­gen Fall die nahe­lie­gends­te Erklä­rung lau­tet: Es geht weni­ger um Ver­bre­chens­be­kämp­fung als um Kon­trol­le. Offen­bar sind die der­zei­ti­gen Ent­schei­dungs­trä­ger besorgt, dass ihr glo­ba­les Schul­den­spiel am Ende doch aus dem Ruder lau­fen könnte.

Mit Demo­kra­tie haben sol­che Struk­tu­ren noch nie viel zu tun gehabt. Und so ist die Fra­ge heu­te wohl auch nicht, wie das Volk die Demo­kra­tie ver­tei­di­gen — son­dern eher, wie es sie erlan­gen kann.

Bes­ser kann man die aktu­el­le Situa­ti­on nicht auf den Punkt brin­gen, die­sen Bei­trag muss man gele­sen haben. Denn es ist an der Zeit, dass auch in Deutsch­land wie­der der Ruf erhallt „Wir sind das Volk” und die Deut­schen die Polit­lu­schen, die den der­zei­ti­gen untrag­ba­ren und unde­mo­kra­ti­schen Zustand erhal­ten wol­len, final ent­sor­gen. Es bleibt abzu­war­ten, ob dies schon jetzt pas­sie­ren kann und wird, zu begrü­ßen wäre es. Spä­tes­tens, wenn in sehr abseh­ba­rer Zeit das glo­ba­le Schul­den­spiel zusam­men­bricht, wird der Tag gekom­men sein.

Der Skan­dal um die Abschaf­fung der Bür­ger­rech­te hat gera­de erst begon­nen und die Reak­tio­nen und Kon­se­quen­zen sind über­haupt noch nicht abseh­bar, es bleibt spannend!


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  1. […] Bei­trag PRISM, Tem­pora & Co — Inter­es­sante Bei­träge zum The­ma von vor­ges­tern hat soviel posi­tive Reso­nanz gebracht, dass wir uns ent­schie­den haben […]

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