Patent­streit — Neue Chan­cen­ver­tei­lung für Andro­id, Black­Ber­ry, iOS und Win­dows 8

Der 24. August 2012 ist ein wich­ti­ges Datum für die Mobi­li­ty, die Kar­ten wur­den durch das bis­her auf­se­hen­er­re­gends­te Urteil in der lan­gen Rei­he der Patent­strei­tig­kei­ten zwi­schen Apple und Sam­sung in San Jose neu gemischt. Ich will an die­ser Stel­le nicht über den Sinn und Unsinn der soge­nann­ten Tri­vi­al-Paten­te schrei­ben, mei­ne Mei­nung hier­zu habe ich im Bei­trag Apple gewinnt im Patent­streit gegen Sam­sung — Eine gute Nach­richt für den Wes­ten! dar­ge­legt.

Nach­dem sich die ers­te Auf­re­gung um das Urteil gelegt hat eröff­nen sich hier­aus neue Per­spek­ti­ven. Wäh­rend lan­ge Zeit davon aus­ge­gan­gen wur­de — und vie­le auch heu­te noch davon aus­ge­hen, dass die Auf­tei­lung des Mark­tes zuguns­ten von Andro­id und iOS abge­schlos­sen ist, haben die ers­ten Tage nach dem Urteil neue Optio­nen auf­ge­zeigt.

Beson­ders auf­fäl­lig war, dass Sam­sung nach der Nie­der­la­ge gar nicht schnell genug sein noch gar nicht exis­tie­ren­des Smart­pho­ne mit Win­dows 8 prä­sen­tie­ren konn­te. Goog­le wird gedacht haben „So sehen wah­re Freun­de aus!” 😉 Denn weit­ge­hend unstrit­tig ist, dass Goog­le das eigent­li­che Ziel der Patent­kla­gen von Apple ist. Wenn der wich­tigs­te Part­ner von Goog­le — Sam­sung — die Ansa­ge des kali­for­ni­schen Paten­tur­tei­les so deut­lich ver­steht und umsetzt, wie dies erfolgt ist, läßt dies die Ver­mu­tung zu, dass sie nicht mehr auf Andro­id in dem Maße set­zen wie sie dies in der Ver­gan­gen­heit taten.

Das Paten­tur­teil hat die Rich­tung für die wei­te­ren Aus­ein­an­der­set­zun­gen in den USA abge­steckt. Und die USA sind der ent­schei­den­de Ort für die noch fol­gen­den Aus­ein­an­der­set­zun­gen, alle ande­ren Kla­gen welt­weit sind Neben­kriegs­schau­plät­ze. Denn Apple und Goog­le sind ame­ri­ka­ni­sche Unter­neh­men und inso­fern wer­den die ent­schei­den­den Aus­ein­an­der­set­zun­gen auch in den USA erfol­gen. Bei­de ver­fü­gen über eine brei­te Patent­ba­sis, wobei die von Apple gene­risch gewach­sen ist im Gegen­satz zu der von Goog­le, die erst in den letz­ten zwei Jah­ren durch hek­ti­sche Zukäu­fe ent­stand und daher der Absi­che­rung von Andro­id nur sehr bedingt die­nen kann.

Vor die­sem Hin­ter­grund spricht viel dafür, dass Goog­le nur zwei Wege offen­ste­hen. Ent­we­der man erfin­det Andro­id kom­plett neu oder man fin­det einen dau­er­haf­ten Inter­es­sen­aus­gleich mit Apple wofür mei­ner Auf­fas­sung nach der­zeit mehr spricht, im Kern ist er alter­na­tiv­los. Andro­id ist erkenn­bar an sehr vie­len Stel­len eine (schlech­te­re) Kopie von iOS, was für Goog­le ein dau­er­haf­tes Pro­blem­feld schafft, wenn es nicht gelingt sich mit Apple zu eini­gen.

Wenn man davon aus­geht, dass es zu einer sol­chen Eini­gung kom­men wird — und vie­le Äuße­run­gen der Betei­lig­ten spre­chen der­zeit dafür -, liegt die Ver­mu­tung nahe, dass eine sol­che Eini­gung zuguns­ten App­les erfol­gen wird. Ergeb­nis könn­te ein „iOS­dro­id” sein, eine stark von Apple domi­nier­te Wei­ter­ent­wick­lung von Andro­id.

Für Unter­neh­men wirft die­ses The­ma noch ganz ande­re Fra­gen auf, denn Andro­id kann schon heu­te nicht mehr als mono­li­thi­sches mobi­les Betriebs­sys­tem wahr­ge­nom­men wer­den, dafür ist die Her­stel­ler­frag­men­tie­rung mitt­ler­wei­le zu weit fort­ge­schrit­ten. Im Kern gibt es der­zeit nur zwei ernst­zu­neh­men­de Her­stel­ler von Busi­ness­ge­rä­ten mit Andro­id, dies sind Moto­ro­la und Sam­sung, deren Betriebs­sys­te­me aller­dings nur noch wenig Gemein­sam­kei­ten haben. Wenn Sam­sung nun beginnt sich von Andro­id vor­sich­tig abzu­wen­den, bleibt nur noch ein ernst­zu­neh­men­der Her­stel­ler übrig, der Busi­ness­re­le­vanz bie­tet. Moto­ro­la gehört zwar Goog­le, ist aber noch längst nicht erfolg­reich inte­griert und kon­so­li­diert, was die jüngs­ten Ent­las­sungs­an­kün­di­gun­gen gezeigt haben.

Unter­neh­men inter­es­siert zwangs­läu­fig auch wie ein Sys­tem effek­tiv in die Busi­ness-IT inte­griert wer­den kann. Hier hinkt Andro­id Licht­jah­re hin­ter Apple, Black­Ber­ry und Micro­soft hin­ter­her. Es gibt bis heu­te kein Kon­zept, geschwei­ge denn ein leis­tungs­fä­hi­ges SDK zur Imple­men­tie­rung in Sys­te­me für Mobi­le Device Manage­ment, jeder Her­stel­ler kocht sein eige­nes Süpp­chen und Updates des OS füh­ren nicht sel­ten zu einer Been­di­gung der Admi­nis­trier­bar­keit. Für eine Durch­set­zung im Unter­neh­mens­be­reich müss­ten die­se Pro­ble­me von Goog­le adres­siert wer­den, was vor dem Hin­ter­gund der Viel­zahl der bestehen­den Pro­ble­me der­zeit als sehr unwahr­schein­lich erscheint. Hin­zu kommt noch die mitt­ler­wei­le ein­ge­tre­te­ne unkon­trol­lier­te Zer­split­te­rung in unge­zähl­te Her­stel­ler-Deri­va­te des Betriebs­sys­tems, die ver­mut­lich nicht mehr ein­zu­fan­gen ist.

Genau die­se Feh­ler hat Apple nicht gemacht, im Gegen­teil. Apple hat kon­ti­nu­ier­lich und kon­se­quent die Mög­lich­kei­ten für Unter­neh­men aus­ge­baut und geniesst des­halb mitt­ler­wei­le auch in Unter­neh­men eine hohe Akzep­tanz.

All­ge­mein aner­kannt ist, dass der Markt im Kern Platz für 3 mobi­le Betriebs­sys­te­me bie­tet. Und so wur­de in den Zei­ten als Andro­id und iOS als zwei gesetz­te Sys­te­me ange­se­hen wur­den dar­über spe­ku­liert, ob der drit­te Play­er Micro­soft mit Win­dows Pho­ne /​Win­dows 8 oder RIM mit Black­Ber­ry 10 sein wird. Bei­de ver­eint, dass sie über ein brei­tes Patent­port­fo­lio für ihre jewei­li­gen Lösun­gen ver­fü­gen und bei­de veeint, dass sie eigen­stän­di­ge Ange­bo­te besit­zen und ent­wi­ckelt haben, die nicht unter Pla­gi­ats­ver­dacht ste­hen.

Mit Gart­ner ver­bin­det mich in die­ser Situa­ti­on aus­nahms­wei­se ein­mal, dass ich nicht an den Erfolg von Win­dows 8 glau­be. Ganz beson­ders nicht im Busi­ness­be­reich, wo Micro­soft in den letz­ten Jah­ren den Anschluss kom­plett ver­lo­ren hat. Win­dows Pho­ne hat genau­so­we­nig wie Andro­id ein Busi­ness­kon­zept und fin­det im Busi­ness nicht statt.

Und die­se Sicht auf die Din­ge führt zwangs­läu­fig dazu, dass die der­zeit totes­te Fir­ma in der Mobi­li­ty, näm­lich RIM, der eigent­li­che Gewin­ner der Patent­strei­te sein könn­te. Vie­le haben RIM tot­ge­sagt, auch ich, weil vie­le Pro­ble­me im Raum ste­hen:

RIM hat lan­ge Zeit nichts mehr rich­tig gemacht. Ja, stimmt lei­der.

RIM hat den Fokus auf die Busi­ness-User ver­lo­ren. Stimmt auch.

RIM hat noch nie einen Ter­min ein­ge­hal­ten. Noch­mal lei­der rich­tig.

Aber RIM hat jah­re­lang — bis auf den heu­ti­gen Tag — den Busi­ness­sek­tor domi­niert. RIM weiss bes­ser als die meis­ten ande­ren wie Busi­ness Mobi­li­ty geht. Und RIM hat mit QNX einen extrem leis­tungs­fä­hi­gen Kern für sein Betriebs­sys­tem. RIM hat ein brei­tes Patent­port­fo­lio in sei­nen Hän­den. RIM ver­dient bes­ser als alle ande­ren im eige­nen App Store. Und RIM hat sich die Mühe gemacht sich neu zu erfin­den, Black­Ber­ry 10 heisst der Ver­such, der im nächs­ten Jahr erschei­nen soll — viel­leicht stimmt ja dies­mal der Ter­min.

Wenn Black­Ber­ry 10 ein gutes Betriebs­sys­tem mit guten Gerä­ten wird, ist RIM wie­der im Spiel, denn Win­dows 8 wird sehr schnell von der­sel­ben Frag­men­tie­rung erfasst wer­den wie dies bei Andro­id der Fall ist. Inso­fern haben die Ver­öf­fent­li­chung von iOS 6 mit dem iPho­ne 5 und von Win­dows 8 nicht das Poten­ti­al Game-Chan­ger zu wer­den. Dies bleibt RIM vor­be­hal­ten. Top oder Flop? Ich drü­cke die Dau­men für Top!

Wenn Sie ande­re Fra­gen zu mobi­len Betriebs­sys­te­men haben, fra­gen Sie uns bit­te. Wir haben die Ant­wort — Garan­tiert. Emp­feh­len Sie die­sen Bei­trag bit­te auch auf Face­book, Goog­le oder Twit­ter wei­ter, damit auch Ihre Freun­de und Bekann­ten mehr über die Ent­wick­lung der Mobi­li­ty erfah­ren.


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