Gart­ner sieht Bring Your Own Device kri­tisch — Vor­trag von Phil­lip Red­man auf dem MWC 2013

Na sowas! Gart­ner, die sei­ner­zei­ti­gen Erfin­der und Prot­ago­nis­ten von Bring Your Own Device (BYOD) kom­men in der Rea­li­tät an! Phil­lip Red­man, der Haupt­ver­ant­wort­li­che bei Gart­ner für das The­ma Enter­pri­se Mobi­li­ty, wozu auch Mobi­le Device Manage­ment (MDM) und Bring Your Own Device zäh­len, war auf dem MWC 2013 von Air­watch ver­pflich­tet wor­den einen Vor­trag zum The­ma ‘Key Trends Sha­ping the Future of Enter­pri­se Mobi­li­ty’ zu hal­ten.

Red­man scheint in letz­ter Zeit sehr inten­siv das Pre­tio­so Blog gele­sen und ver­stan­den zu haben, denn vie­les von dem, was er sag­te, ent­spricht genau dem, was wir schon immer sagen. Ich will an die­ser Stel­le nur auf die mit dem The­ma Bring Your Own … ver­bun­de­nen Aus­sa­gen ein­ge­hen, wobei Red­man auch manch Rich­ti­ges zu ande­ren The­men vor­trug wie bei­spiels­wei­se einen sehr zurück­hal­ten­den Stand­punkt zu den weit­ge­hend unaus­ge­go­re­nen Kon­zep­ten zum The­ma Mobi­le App­li­ca­ti­on Manage­ment.

Red­man stell­te das Kon­zept des Bring Your Own Device (BYOD) nun­mehr rea­lis­tisch mit sei­nen Gren­zen dar, wie das Bild zum Bei­trag ver­deut­licht. Auch wenn er — als einer der Erfin­der die­ses Blöd­sinns — sich noch nicht dazu durch­rin­gen konn­te, BYOD als Irr­weg zu bezeich­nen, waren sei­ne State­ments aus­rei­chend klar, um die zahl­rei­chen (nicht lös­ba­ren) Pro­ble­me sau­ber her­aus­zu­ar­bei­ten. Der Vor­trag zeig­te klar und deut­lich, dass Red­man sehr wohl die zahl­rei­chen Nach­tei­le von BYOD kennt und nur als Mar­ke­teer, der Gart­ner nun ein­mal ist, das Lied von BYOD gesun­gen hat.

Redman’s Kern­bot­schaf­ten waren:

You can’t force users to upgrade when it suits you.

Recht hat er. Man kann den Nut­zer in einem BYOD-Pro­gramm nicht zwin­gen neue Gerä­te anzu­schaf­fen, die bei­spiels­wei­se für neue Pro­gram­me und Funk­tio­nen vom Unter­neh­men benö­tigt wer­den. Neben allen recht­li­chen und Sicher­heits­be­den­ken, auf die wir hier im Blog schon oft im Bereich Alles zu BYOD hin­ge­wie­sen haben, ist dies ein KO-Kri­te­ri­um, das im Kern wei­te­res Nach­den­ken über BYOD in vie­len Fäl­len nicht erfor­der­lich macht.

You can’t address BYOD wit­hout addres­sing BYOA.

Wie­der hat er Recht. Wobei er nicht expli­zit ver­deut­lich­te, wel­ches BYOA er denn nun mein­te. BYO… ist ja mitt­ler­wei­le ein Begriff für Alles und Jedes gewor­den, wobei BYOA allein min­des­tens 3 Bedeu­tun­gen hat:

  • Bring Your Own Anything
  • Bring Your Own Apps
  • Brings Your Own Access

Aus­prä­gung 1 macht die Kon­trol­le für Unter­neh­men end­gül­tig unmög­lich, Red­man bezog sich vom Kon­text aber stär­ker auf die Berei­che Apps und Access und wies auf die damit ein­her­ge­hen­den Risi­ken hin. Kein Unter­neh­men kann die unkon­trol­lier­te Ver­wen­dung von Apps auf Gerä­ten frei­ge­ben, die auf das Fir­men­netz­werk zugrei­fen ohne unkal­ku­lier­ba­re Risi­ken ein­zu­ge­hen — Whats­App ist das popu­lärs­te Bei­spiel hier­für.

Die Nut­zung des Zugangs des Mit­ar­bei­ters (sei­ner SIM-Kar­te) bringt eben­falls eine man­nig­fal­ti­ge Pro­blem­land­schaft auf die Tages­ord­nung. Ein­fachs­tes Bei­spiel ist das Roa­ming. Einer­seits will der Mit­ar­bei­ter nicht für ggf. not­wen­di­ge hohe Roa­ming­kos­ten auf­kom­men, ande­rer­seits will kaum ein Unter­neh­men pri­vat ver­ur­sach­te hohe Roa­ming­kos­ten spon­sern.

Sti­pends need an excep­ti­on mecha­nism.

Und noch ein Tref­fer, Mr. Red­man! Im Gegen­satz zu Kon­zep­ten bei denen die Pri­vat­nut­zung von Fir­men­ge­rä­ten gere­gelt zuge­las­sen wird und was — in Deutsch­land zumin­dest — steue­run­schäd­lich ist, ver­ur­sacht BYOD regel­mä­ßig auf der Gehalts- und Ver­gü­tungs­sei­te zusätz­li­chen Auf­wand und Rege­lungs­be­darf. Kein Mit­ar­bei­ter stellt mal eben sein pri­va­tes Equip­ment kos­ten­los der Fir­ma zur Ver­fü­gung. Wenn die Abrech­nung im Rah­men der Spe­sen­er­stat­tung erfol­gen soll, bedeu­tet dies erheb­li­chen — im Kern unnö­ti­gen — Over­head im Unter­neh­men, da eine gro­ße Zahl von Mit­ar­bei­tern erst durch BYOD Spe­sen­ab­rech­nun­gen erstel­len muss. Die Abgel­tung mit pau­scha­len Zah­lun­gen ver­ur­sacht ggf. zusätz­li­che Kos­ten, da die­se zusätz­li­chen Zah­lun­gen im vol­len Umfang Steu­er und Sozi­al­ver­si­che­rung unter­lie­gen.

BYO isn’t gua­ran­te­ed to save money.

Bin­go, Mr. Red­man! Ein 100 % Tref­fer! Auch Gart­ner hat ver­stan­den, dass die gan­zen BYO-Kon­zep­te teu­er und de fac­to oft gar nicht durch­führ­bar sind. Denn allein der Sup­port eines sol­chen Kon­zep­tes benö­tigt zusätz­li­che Res­sour­cen im Bereich Hel­pdesk und kann die IT-Abtei­lung sehr rasch in die Ver­zweif­lung trei­ben. Und dies ist nur ein Nach­teil von vie­len.

Red­man ist in sei­nem Vor­trag über­haupt nicht auf die mas­si­ven Sicher­heits­be­den­ken und recht­li­chen Pro­ble­me ein­ge­gan­gen, die mit einem BYOD-Kon­zept ein­her­ge­hen. Inso­fern hat mich Redman’s Vor­trag posi­tiv beein­druckt, denn er hat ein­drucks­voll gezeigt, dass man die BYOD-Idee nach­hal­tig mit die­sen vier ganz ein­fa­chen Kri­te­ri­en begra­ben kann. Kom­pli­ment dafür!

Wenn Sie ande­re Fra­gen zu mobi­len The­men haben, fra­gen Sie uns bit­te. Wir bera­ten vie­le Unter­neh­men in Mit­tel­stand und Indus­trie sowie öffent­li­che Insti­tu­tio­nen ganz­heit­lich zu mobi­len Fra­gen und zukünf­tig gern auch Sie. Wenn Sie mei­nen, dass die­ser Bei­trag auch für Ihre Freun­de und Bekann­ten inter­es­sant ist, emp­feh­len Sie ihn bit­te auf Goog­le, Twit­ter und Face­book wei­ter. Wir freu­en uns dar­über und bedan­ken uns im vor­aus bei Ihnen dafür!


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