Black­Ber­ry Quar­tals­zah­len — Mit Thors­ten Heins in den Abgrund?

Regel­mä­ßi­ge Leser des Pre­tio­so-Blog wis­sen, dass ich nicht zur Fan-Group von Thors­ten Heins, dem CEO von Black­Ber­ry, gehö­re. Seit sei­nem Amts­an­tritt vor rund 18 Mona­ten habe ich ihm regel­mä­ßig das Pro­fil abge­spro­chen, Unter­neh­men die­ser Grö­ßen­ord­nung füh­ren zu kön­nen. Wer dies nicht gele­sen hat, kann es in diver­sen Bei­trä­gen nach­le­sen:

Seit ges­tern ist mir nun noch deut­li­cher, dass Thors­ten Heinz nicht nur ein schlech­ter Kom­mu­ni­ka­tor ist son­dern für alle am Unter­neh­men Inter­es­sier­ten ein ech­tes Risi­ko dar­stellt. Sei­ne gest­ri­ge Ana­lys­ten­kon­fe­renz ist ein gutes Bei­spiel für desas­trö­se Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on, die nicht nur Unter­neh­mens­sub­stanz ver­nich­tet (27,8 % Kurs­ver­lust an der NASDAQ) son­dern ganz nach­hal­tig das Über­le­ben von Black­Ber­ry in Fra­ge stellt — zumin­dest mit ihm an der Spit­ze. Die Wirt­schafts­wo­che schreibt zutref­fend:

Black­ber­ry-Chef Heins ver­liert Glaub­wür­dig­keit

Black­Ber­ry ent­täuscht wie­der mal. Sein Vor­stands­chef ist nun bei Wall-Street-Ana­lys­ten ver­brannt. Das ist die eigent­li­che Tra­gö­die.

Und genau des­halb gibt es im Kern nur zwei Optio­nen. Wei­ter so mit Heins, was m. E. das siche­re Ende von Black­Ber­ry bedeu­tet, wobei der­zeit nicht abseh­bar ist, wie sich die­ses Ende aus­bil­den wür­de — noch kön­nen ja über 3 Mil­li­ar­den Dol­lar Liqui­di­tät ver­bla­sen wer­den. Wei­ter so ohne Heins ist aber eben­falls nicht die siche­re Ret­tung — dafür hat Black­Ber­ry in den letz­ten Jah­ren ein­fach zu viel falsch gemacht.

Was miss­lang Heins nun ges­tern (wie­der ein­mal)?

Das Kern­pro­blem besteht m. E. dar­in, dass er es nicht beherrscht mit den Ana­lys­ten pro­fes­sio­nell zu kom­mu­ni­zie­ren und Visio­nen auf­zu­bau­en (was für BB10 zwin­gend erfor­der­lich wäre). Dass die Fir­ma im letz­ten Quar­tal nur mode­rat gewach­sen ist trotz BB10 — so what, einer der mit der Meu­te spie­len kann, kann auch dies als Erfolg ver­kau­fen. Auch die 88 Mil­lio­nen Ver­lust sind an sich kein Desas­ter, da die­ser Ver­lust über­wie­gend auf einem Son­der­ef­fekt aus Vene­zue­la beruht. Ein Ver­käu­fer hät­te auch dies noch zum Erfolg umschmin­ken kön­nen.

Ja, das sind kei­ne tol­len Zah­len. Und es ist auch rich­tig, dass die­se Zah­len unter den Erwar­tun­gen der Ana­lys­ten lie­gen. Aber dies erklärt nicht fast 30 % Kurs­ab­sturz. Der Kurs­ab­sturz ist die Doku­men­ta­ti­on des Ver­trau­ens­ver­lus­tes in Thors­ten Heins und viel­leicht auch mitt­ler­wei­le in Black­Ber­ry. denn Anspruch und Wirk­lich­keit klaf­fen Licht­jah­re aus­ein­an­der — gera­de bei Heins.

Eini­ge Bei­spie­le.

Da ver­kün­det Heins doch im letz­ten Quar­tal mal eben, dass Tablets bedeu­tungs­los wer­den und er die­ser Gerä­te­klas­se kei­ne Zukunft bei­misst.

Klar­text: Nach­dem wir 5000 Leu­te raus­ge­schmis­sen haben langt es vor­ne und hin­ten nicht um alle noch vor­han­de­nen Berei­che abzu­de­cken.

Logi­sche Umset­zung in der Ana­lys­ten­kon­fe­renz: Das von ihm selbst ver­spro­che­ne Update für das Play­book auf BB10 kommt nun doch nicht. Im Kern logisch, wenn es an allen Enden und Ecken fehlt. Dies aber in der Ana­lys­ten­kon­fe­renz zu ver­kün­den ist — bei vor­sich­tigs­ter For­mu­lie­rung — unklug. Nord­deutsch: voll bescheu­ert!

Da fabu­liert Heins wäh­rend des Quar­tals von über den Erwar­tun­gen lie­gen­den BB10-Absät­zen, von einer Mil­lio­nen-Order und vol­ler Zufrie­den­heit und ver­an­lasst hier­durch die Ana­lys­ten — immer noch vor­sich­tig — an wirk­lich nicht viel zu glau­ben — 3,5 Mil­lio­nen BB10-Gerä­te ver­mu­te­te man.

Klar­text: Wir erzäh­len euch nicht, was los ist. Aber glaubt uns ein­fach — es läuft bom­big!

Kon­se­quen­te Umset­zung in der Ana­lys­ten­kon­fe­renz: Die Rea­li­tät sieht düs­ter aus — 2,7 Mil­lio­nen aus­ge­lie­fer­te BB10-Gerä­te sind ein Witz und zei­gen das Schei­tern von BB10 schon am Hori­zont.

Da erzählt Heins an jeder Stel­le wie toll und super BB10 ist. Aber von BB7 will er trotz­dem nicht las­sen.

Klar­text: Ich glau­be sel­ber nicht so ganz ob es mit BB10 jemals klap­pen wird, BB7 läuft ja wenigs­tens noch ein biss­chen. Voll­gas und Voll­brem­sung zugleich war noch nie die bes­te Fahr­tech­nik!

Trau­ri­ge Umset­zung in der Ana­lys­ten­kon­fe­renz: Heins kün­digt vor­sichts­hal­ber noch ein Gerät für die alte BB7-Platt­form an, sicher ist sicher! Wenn der Her­stel­ler selbst nicht an sein neu­es Kon­zept glaubt — war­um soll es der Anwen­der tun?

Man könn­te noch vie­le Bei­spie­le anfüh­ren, aber alle bele­gen nur eines: Heins und mit ihm Black­Ber­ry glaubt selbst nicht an die Zukunft. Denn es hät­te durch­aus auch die Mög­lich­keit für Erklä­run­gen gege­ben. Man hät­te sagen kön­nen, dass erst der Q10 und der Q5 den Durch­bruch brin­gen kön­nen und sol­len — das wäre ver­mit­tel­bar gewe­sen und hät­te Mut gemacht. Aber selbst die­ses Hoff­nungs­pflänz­chen hat Heinz ganz bru­tal zer­tre­ten — er gab einen düs­te­ren Aus­blick auf das nächs­te Quar­tal und ver­sprach Ver­lus­te!

Genau dies hat der Aktie m.E. den Rest gege­ben. Denn nun ist auch die Q10 /​Q5 Phan­ta­sie mit einem Schlag abge­räumt wor­den — aus, vor­bei. Der Her­stel­ler ver­kün­det indi­rekt, dass auch die ver­meint­li­chen Heils­brin­ger nichts brin­gen wer­den — ein naht­lo­ser Über­gang von der Visi­on zur Abwick­lung?

So man­cher bei Black­Ber­ry denkt über die Zwit­ter Q10 und Q5 sicher eben­so wie Boris Boden, der zumin­dest hier­zu­lan­de mit sei­nen Tests im Tele­fon-Fach­han­del ein wich­ti­ger Mul­ti­pli­ka­tor ist. Boden meint ganz tro­cken zum Q10: Die Navi­ga­ti­on über Inter­net­sei­ten oder durch län­ge­re E-Mails wird damit zu einem stän­di­gen Her­um­schie­ben auf dem Dis­play und auch Fil­me machen kei­nen Spaß. Boden hat einen siche­ren Instinkt für Smart­pho­nes, die sich ver­kau­fen las­sen und für Smart­pho­nes, die schei­tern. Allein schon die Über­schrift sei­nes Bei­tra­ges ist kein Rücken­wind: Der Ein­zel­gän­ger! Im Tele­fon­fach­han­del bringt die­ser Arti­kel Black­Ber­ry wie­der ein­mal nicht in die Aus­la­gen.

Ande­rer­seits impo­niert mir Heins, denn ich glau­be, dass er weiss oder zumin­dest ahnt, dass ‘Game over’ nicht mehr fern ist, hier­für gibt es ernst­zu­neh­men­de Indi­ka­to­ren. Der Exo­dus der stra­te­gisch wich­ti­gen obers­ten Füh­rungs­kräf­te hält an. War­um geht Rob Orr, Geschäfts­füh­rer des stra­te­gisch so wich­ti­gen Mark­tes UK & Ire­land von Black­Ber­ry zu Sam­sung vor dem Hin­ter­grund des so tol­len BB10? (Sam­sung appoints Rob Orr as B2B European telecoms VP). Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass er von BB10 deut­lich weni­ger hält als von Sam­sung, was ich ver­ste­hen kann.

War­um spricht Heins nicht über die stra­te­gisch wich­ti­gen The­men Mobi­le Device Manage­ment und Con­tai­ne­ri­za­ti­on, an denen Black­Ber­ry sich nun auch ver­su­chen möch­te? Ver­mut­lich weil ihm klar ist, dass ihn die Ana­lys­ten hier mit der (aus­nahms­wei­se ein­mal berech­tig­ten) Kri­tik von Gart­ner im Magic Qua­drant for Mobi­le Device Manag­ment Soft­ware 2013 aus dem Mai 2013 kon­fron­tiert hät­ten:

… Black­Ber­ry is not con­si­de­red much of an inno­va­tor in cross-plat­form MDM; alt­hough it does mana­ge Andro­id, it does not yet sup­port advan­ced Andro­id APIs from Sam­sung Safe-cer­ti­fied devices, …

… It still requi­res a third-par­ty part­ner to pro­vi­de exten­ded Andro­id sup­port. …

Insi­der wis­sen, dass sich Gart­ner hier noch wohl­wol­lend posi­tiv aus­ge­drückt hat. Aber war­um soll man auch das Betriebs­sys­tem gut mana­gen kön­nen, dass welt­weit auf 90 % Markt­an­teil zusteu­ert? Wenn Heins Recht hat, ist das sowie­so ein fal­scher Schritt, denn Tablets sind ja schon bald bedeu­tungs­los! Soll­te er nicht Recht haben, wird auch der Schuss mit MDM wie­der ein­mal nach hin­ten los­ge­hen, ich erin­ne­re an die end­lo­se Odys­see beim MVS (Mobi­le Voice Sys­tem). Wie vie­le ande­re traue ich den behä­bi­gen Kana­di­ern nicht zu in einem Markt zu ope­rie­ren, der extre­me Schnel­lig­keit und Agi­li­tät benö­tigt, spe­zi­ell wenn es um Andro­id geht.

Wohl­weis­lich ver­mut­lich des­halb hat Heins auch kei­ne Äuße­run­gen zum neu­es­ten Pro­dukt Secu­re Work Space für Andro­id und iOS getrof­fen, was ggf. mit den Aus­sa­gen von Gart­ner kon­fron­tiert wor­den wäre. Da Ana­lys­ten sich regel­mä­ßig auch für den kauf­män­ni­schen Teil neu­er Pro­duk­te inter­es­sie­ren, wäre Heins auch die Fra­ge nach dem sehr muti­gen Preis­punkt von 99 USD nicht erspart geblie­ben. Wie man die­sen Preis in die Welt set­zen kann, wenn leis­tungs­fä­hi­ge­re Pro­duk­te wie Touch­down von Nitro­desk für 16 USD und noch deut­lich weni­ger an Enter­pri­se­kun­den ver­kauft wer­den, ver­steht sicher kein Ana­lyst. Allein schon des­we­gen wird das Pro­dukt eine sehr über­schau­ba­re Reso­nanz erfah­ren, wie auch der MDM-Ver­such mit dem Uni­ver­sal Device Ser­vice, der schon vie­le der Tes­ter nicht ange­spro­chen hat.

Was wird kom­men?

Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass der Absturz mit Heins und sei­ner Trup­pe, die er nun­mehr kom­plett allein ver­ant­wor­tet, in mei­nen Augen unaus­weich­lich ist. Viel­leicht hat Black­Ber­ry noch eine win­zi­ge Chan­ce. Dann aber ohne Heins und — noch wich­ti­ger — ohne Frank Boul­ben. Frank wer? Frank Boul­ben ist der CMO von Black­Ber­ry. Hand­ver­le­sen von Heins und ein Total­aus­fall. Außer der vom iPho­ne twit­tern­den Ali­cia Keys, deren Auf­ga­be sich auch nach 3 Mona­ten nie­man­dem wirk­lich erschließt, hat Boul­ben naht­los dort fort­ge­setzt wo das Black­Ber­ry-Mar­ke­ting schon immer stand — im unge­fäh­ren Nir­gend­wo.

War­um soll man dem Ver­brau­cher auch ganz sim­pel ver­kün­den das man ein kom­plett neu­es Gerät erfun­den hat? Das könn­te der ja inter­es­sant fin­den. Also machen wir lie­ber wei­ter so, wie es bei Black­Ber­ry immer lief — zeit­geis­ti­ges Geblub­ber mit inhalts­lee­ren Claims die die zen­tra­le Bot­schaft, an die man glaubt, nicht rüber­bringt: „Wir sind die Neu­es­ten, wir sind die Sichers­ten, wir sind für Unter­neh­men da.”

Aber ver­mut­lich glaubt das Black­Ber­ry mitt­ler­wei­le selbst nicht mehr. Scha­de. Es hät­te anders kom­men kön­nen!


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  1. […] 17 Mona­te spä­ter haben wir Heins Per­for­mance im Bei­trag Black­Berry Quar­tals­zah­len — Mit Thors­ten Heins in den Abgrund? sub­su­miert. Mein Fazit zu Beginn des […]

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