Ans­gar Heve­ling — Regel oder Ausnahme?

Bis heute kannte ich Ans­gar Heve­ling nicht, einen Hin­ter­bänk­ler der CDU aus NRW im Bun­des­tag. Aller­dings hat er sich heute mit einem Kom­men­tar im Han­dels­blatt in die Her­zen vie­ler Men­schen gebrannt, die sich über SOPA, PIPA und ACTA Gedan­ken machen, wozu ich auch zähle, was man den ent­spre­chen­den Bei­trä­gen hier im Blog ent­neh­men kann. Neben dem Duc­tus des Bei­tra­ges, der gren­zen­lose Inkom­pe­tenz ver­rät, stört mich die Hybris, mit der er sei­nen Stand­punkt ver­tritt. Rea­li­täts­be­zug scheint nicht zu sei­nen Kern­kom­pe­ten­zen zu gehören.

Statt des­sen tropft aus jedem sei­ner Worte die Nähe zur Groß­in­dus­trie der Rech­te­ver­wer­ter — die Lob­by­is­ten, die ihm den Blöd­sinn ein­ge­bla­sen haben, den er nun ver­trat, wer­den sich zunächst sicher gefreut haben. Schlimm ist aller­dings, dass ein sol­cher intel­lek­tu­el­ler Tief­flie­ger der Bericht­er­stat­ter der CDU im Rechts­aus­schuss zum Thema Urhe­ber­recht ist! Dies beför­dert meine schon lange beste­hende Erkennt­nis, dass nie­mand die Par­teien in ihrer der­zei­ti­gen Art und Struk­tur braucht, da sie für die Pos­ten des MdB und MdL nur sehr sel­ten die erste Wahl an Köp­fen aus unse­rer Gesell­schaft anzie­hen, Heve­ling ist halt nur ein beson­ders trau­ri­ges Bei­spiel für Wul­fen und Inkompetenz.

Heute nach­mit­tag wurde seine Web­seite gehackt, wir haben hier­von Screen­shots angefertigt.

Als Texte wähl­ten die Hacker:

  • Ans­gar Heve­ling schreibt in einem Gast­bei­trag für das Han­dels­blatt: Die Idee des geis­ti­gen Eigen­tums ist im Netz in Gefahr. Es grüßt: Chris­to­pher Lauer von der Pira­ten­frak­tion im Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­haus. Knack und Back!
    Ergän­zung Und er kann nicht ein­mal einen ver­nünf­ti­gen Admin-​Username oder –Pass­wort wäh­len. Es ist zum heu­len, wer uns Bür­ger so alles ver­tre­ten soll und selbst von den sim­pels­ten Sach­ver­hal­ten nicht den Hauch einer Ahnung hat.
  • Ich habe ver­sagt
    Ich habe einen Feh­ler gemacht. Jeder kleine Gnom aus der Inter­net­welt kennt nun den Admin-​Benutzernamen samt Kenn­wort die­ser Seite, da ich zu naiv war, zu glau­ben, nie­mand würde es her­aus­fin­den.
    Ich ent­schul­dige mich dafür, dass ich ein so mise­ra­bler Mensch bin und werde mich in Zukunft voll und ganz aus der Poli­tik zurück­zie­hen. Men­schen wie ich soll­ten keine poli­ti­sche Macht haben. Ich sehe ein, dass mein Gast­bei­trag Unsinn war.
    Es lebe eure Revo­lu­tion, meine Inter­net­freunde!
    Ihr Ans­gar Heveling
  • Ich trete aus
    Hier­mit möchte ich mei­nen Aus­tritt aus der CDU öffent­lich machen. Ich stehe nicht mehr vol­len Her­zens hin­ter den Zie­len der CDU, und obwohl wir nun getrennte Wege ein­schla­gen, werde ich die Zeit nie ver­ges­sen.
    Ihr Ans­gar Heveling

Mal abge­se­hen davon, dass dies die IT-​Kompetenz von Heve­ling wun­der­bar beleuch­tet hat — Heve­ling wählte für den Admin Account sei­nes Web „Ans­gar” als Pass­wort, halte ich die Aktion für völ­lig bescheu­ert und total dane­ben. Wenn Chris­toph Lauer von der Pira­ten­par­tei wirk­lich hin­ter die­ser Aktion ste­cken sollte bzw. betei­ligt ist, wirft dies auch ein sehr schlech­tes Licht auf die Pira­ten­par­tei. Denn die Aktion ermög­licht es einem Täter wie Heve­ling sich als Opfer dar­zu­stel­len. Und das hat er nun wirk­lich nicht verdient!

Heve­ling ist Täter — wie Wulf, Glä­se­ker und zahl­lose andere Luschen in der Poli­tik. Inso­fern ist er keine Aus­nahme son­dern die erschre­ckende Regel. Lei­der. Und durch sol­che Aktio­nen gibt man die­sen Typen die Mög­lich­keit, die Pro­test­be­we­gung gegen ACTA, SOPA und PIPA zu dis­kre­di­tie­ren — genauso, wie es mit der Abschal­tung von Mega­u­pload erfol­gen sollte (und nicht gelang) und auf die sich Heve­ling ja pas­sen­der­weise auch bezieht in sei­nem Kom­men­tar. Gott sei Dank ist der Hack nicht bei jeman­dem erfolgt, der Repu­ta­tion, Pro­fil und Bedeu­tung hat. Es wird aber Zeit, dass die CDU die Chance zur Oppo­si­tion erhält, denn wenn man einen Heve­ling für irgend­eine Auf­gabe über­haupt braucht zeigt dies, dass die Par­tei sich mal gute Leute holen und sich erho­len muss.

Obwohl — Pres­se­spre­cher bei Wulf, das wär doch noch was für den Ansgar …

PS: Und jetzt rechne ich ein­mal anhand die­ses Bei­spie­les die Kom­pe­tenz des Bun­des­ta­ges beim Euro­ret­tungs­schirm hoch … Ist das nicht entsetzlich?

Stop ACTA — das Pen­dant zu SOPA und PIPA

Link zu einer E-​Petition

Bei der Beschäf­ti­gung mit SOPA und PIPA bin ich nun auch auf ACTA gesto­ßen, das Deutsch­land betref­fende Pen­dant zu SOPA und PIPA. Worum geht es?

Die Abkür­zung «ACTA» steht für das geplante plu­ri­la­te­rale Han­dels­ab­kom­men «Anti-​Counterfeiting Trade Agree­ment». Die teil­neh­men­den Natio­nen bzw. Staa­ten­bünde geben an, damit den Kampf gegen Pro­dukt­pi­ra­te­rie ver­bes­sern zu wol­len. Das angeb­lich wach­sende Pro­blem der Fäl­schun­gen und der Pira­te­rie soll mit dem Abkom­men bes­ser bekämpft wer­den kön­nen. Die gehei­men Ver­hand­lun­gen lau­fen seit 2008 und sol­len noch in die­sem Jahr abge­schlos­sen wer­den. Die teil­neh­men­den Par­teien sind die Schweiz, die USA, die EU, Kanada, Japan, Korea, Sin­ga­pur, Aus­tra­lien, Neu­see­land, Mexiko, Jor­da­nien, Marokko und die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­rate. (Zitat von stop​-acta​.info).

Das Thema ist bis­her kom­plett an mir vor­bei­ge­gan­gen. Warum wohl? Weil es in der Öffent­lich­keit kaum statt­fin­det. Selbst die Pira­ten­par­tei, die sich die Frei­heit des Inter­net auf die Fah­nen schreibt, stellt keine Öffent­lich­keit her — abge­se­hen von einem guten Arti­kel im Piraten-​Wiki. Hin­ter­grund hier­für dürfte auch sein, dass die Ver­hand­lun­gen zu die­sem Thema unter strik­tes­ter Geheim­hal­tung statt­fan­den und –fin­den. Ein gutes Inter­view zum Thema habe ich auf zeit​.de gefun­den, nach­dem ich anfing, mich mit dem Thema zu beschäftigen.

Zuge­ge­ben — das Thema ist nicht ein­fach. Wir leben als Soft­ware­an­bie­ter auch von Lizen­zen und dem ehr­li­chen Umgang mit geis­ti­gem Eigen­tum. Aber die immer wie­der neu ange­dach­ten Zen­sur­maß­nah­men schie­ßen völ­lig über das Ziel hin­aus. Ich finde, einer der Kom­men­ta­to­ren (smart­coo­kie) des o.a. ZEIT-​Interviews hat das Pro­blem wun­der­bar auf den Punkt gebracht:

Ver­nün­fige Preise und ohne Ver­viel­fäl­ti­gungs­be­schrän­kun­gen, die Leute wer­den sofort wie­der anfan­gen, die Din­ger zu kau­fen. Es gab Zei­ten ” damals, frü­her ” wo man mit einem Kas­set­ten­re­cor­der aufnehmen,überspielen,.….konnte ohne sich straf­bar zu machen. GEMA Gebüh­ren wur­den ja durch die Radio­sen­der bezahlt und soweit ich mich erinnere,auch über die Preise der Leer­kas­set­ten und Ton­bän­der. Keine Eltern wur­den belangt, wenn sich Toch­ter oder Soh­ne­mann eine Kas­sette von Freun­den kopiert hat. Das komi­sche daran ist , auch damals hat die Film– und Musik­in­dus­trie gut davon gelebt. Aber es muß ja immer mehr werden.Leider kommt es oft nicht bei den Urhe­bern an, son­dern bleibt irgendwo bei den Stu­dios hängen.

Das ist 1:1 auch meine Mei­nung. Mich stö­ren auch die Ein­schrän­kun­gen auf Down­load­por­ta­len — ganz beson­ders auf iTu­nes. Diese Ein­schrän­kun­gen hebeln defacto mein Recht auf Pri­vat­ko­pie aus. Des­halb kaufe ich nach wie vor lie­ber CDs und DVDs, die ich dann — ganz legal — in iTu­nes ein­le­sen kann. Und des­halb habe ich auch die Peti­tion unter­zeich­net, die ich im Bild zum Arti­kel ver­linkt habe.

Was mei­nen Sie?

Jimmy Wales kün­digt an: Wiki­pe­dia geht off­line am 18.01.2012

Jimmy Wales, der Grün­der von Wiki­pe­dia hat heute Nacht get­wit­tert, dass Wiki­pe­dia mit der eng­li­schen Aus­gabe am 18.01.2012 für 24 Stun­den off­line gehen wird. Hier der Original-​Tweet. Ich hatte über die dem zugrunde lie­gen­den Gesetz­ent­würfe SOPA und PIPA schon geschrie­ben. Prima, dass die Wikipedia-​Menschen Rück­grat haben.

Ich finde es erstaun­lich, dass die­ses Thema in Deutsch­land fast nicht statt­fin­det. Die iPhone App der Tages­schau ver­sorgt mich zwar kon­ti­nu­ier­lich mit Eil­mel­dun­gen, was auf der Costa Con­cor­dia so pas­siert und dass die EU mit Ungarn schimpft — das auch für Deutsch­land rele­vante Thema SOPA und PIPA fin­det aber wei­ter nicht statt!

Ein Schelm, wer sich dar­über Gedan­ken macht! Soviel zur Presse in Deutschland!

PS: Auf Heise ist auch ein guter Start­punkt zum Thema von heute.

Update 23.01.2012

In der Frank­fur­ter All­ge­meine Sonn­tags­zei­tung vom 22.01.2012 fin­det man auf Seite 40 einen sehr inter­es­san­ten Arti­kel über Jimmy Wales zu die­sem Thema. Lesens­wert! Aber lei­der nicht Online erhältlich.

SOPA und PIPA — Die ame­ri­ka­ni­sche Poli­tik dreht wie­der ein­mal durch — Google, Ama­zon und Face­book stel­len den Betrieb am „Nuclear Day” ein

SOPA bedeu­tet „Stop Online Piracy Act” und bezieht sich auf den ame­ri­ka­ni­schen Gesetz­ent­wurf „Stop Online Piracy Act” (H.R. 3261) im Reprä­sen­tan­ten­haus. Ergänzt wird die­ser durch den PIPA-​Gesetzentwurf „Preven­ting Real Online Thre­ats to Eco­no­mic Crea­ti­vity and Theft of Intel­lec­tual Pro­perty Act of 2011″ (S.968) im Senat. Details hierzu fin­den Sie auf der Warn­seite Pro­tect Inno­va­tion.

Es ist typisch, dass in Deutsch­land die aktu­elle Auf­merk­sam­keit auf Mar­gi­na­lien wie den DNS-​Changer gelenkt wird und die Presse die wirk­li­chen Bedro­hun­gen des Inter­net nicht zur Kennt­nis nimmt. Zwei der weni­gen Aus­nah­men sind ein guter kur­zer Arti­kel bei CRN und meh­rere gute Arti­kel bei Heise. Dies, obwohl es sel­ten zuvor einen der­art mas­si­ven Ver­such gege­ben hat, Repres­sion und Zen­sur im Inter­net aus­zu­üben. Unter dem Vor­wand Copy­right und IP-​Rechte zu schüt­zen soll es mög­lich wer­den, Web­sei­ten, die (angeb­li­che) Copy­right– und IP-​Verstöße (Intel­lec­tual Pro­perty) beinhal­ten, schnell vom Netz zu neh­men. Dies soll durch Ein­griffe ins DNS-​System (Domain Name Sys­tem — die Namens­ver­wal­tung im Inter­net) und Black­lists (Sperr­lis­ten) gelöst wer­den. Die­ser Ansatz würde auch Nut­zer außer­halb der USA betref­fen, da hier­durch Anfra­gen ins Inter­net durch von den USA dann mani­pu­lierte DNS-​Server nicht oder falsch beant­wor­tet wer­den könn­ten. Wer z.B. sein Post­fach bei einem ame­ri­ka­ni­schen Internet-​Provider unter­hält — z.B. Hot­mail — könnte an gesperrte Domains keine Mail mehr ver­sen­den, selbst wenn nach euro­päi­schem Recht über­haupt kein Rechts­ver­stoß vor­liegt. Auf Extreme Tech ist anschau­lich erklärt, wie SOPA und DNS bzw. Black­lists zusam­men­hän­gen und wel­che Aus­wir­kun­gen dies Zensur-​Maßnahmen haben könnten.

Vor die­sem Hin­ter­grund haben sich viele der ganz gro­ßen Inter­net­platt­for­men im Netz (Google, Face­book, Ama­zon, eBay, Twit­ter und viele andere) zusam­men­ge­tan und pla­nen einen „Nuclear Day”. Das bedeu­tet, dass all diese Betrei­ber an einem nahen Tag Ihre Platt­for­men abschal­ten wer­den und nur einen Hin­weis auf die Bedro­hung durch SOPA anzei­gen wer­den. Wahr­schein­lich wird dies am 23. Januar erfol­gen. Wie groß die Bedro­hung für die Infor­ma­ti­ons­frei­heit ist kann man daran erken­nen, dass es Ver­gleich­ba­res noch nie gab — für alle betei­lig­ten Unter­neh­men würde diese Aktion Mil­lio­nen­ver­luste verursachen.

Haben Sie nur ein Wort in den gän­gi­gen Medien dazu gehört? Ken­nen Sie deut­sche Poli­ti­ker, die sich pro­mi­nent weh­ren? Ich lei­der nicht. Aber das ist ja auch kein Wun­der in einem Land, wo Chris­tian Wulf wei­ter Prä­si­dent sein darf. In Ame­rika wäre er dies ver­mut­lich gar nicht erst geworden.

Update

Das Weiße Haus dreht mitt­ler­weile bei, auch diverse Con­gress­men. Mehr unter die­sem Link.