Ding­le­berry 3.3.3 ver­öf­fent­licht — der Jail­break für das Black­Berry Play­book wird verfeinert

Seit heute ist die neu­este Ver­sion von Ding­le­berry ver­öf­fent­licht. Ding­le­berry ist ein Tool, das auf dem Black­Berry Play­book den Root­zu­gang sicher­stellt (mehr Infor­ma­tio­nen zu Roo­ting hier). Man kann über den Sinn und Zweck von Roo­ting aus­führ­lich strei­ten, wie dies auf diver­sen ame­ri­ka­ni­schen und kana­di­schen Foren der­zeit geschieht. Dies ist mei­nes Erach­tens aber eher unwich­tig. Mir geht schon län­ger durch den Kopf, was der User Crack­Ber­ryTorch 9800 auf Crack­berry schreibt:

I thought QNX was sup­po­sed to be a secure ker­nal. BB OS never got roo­ted but the first QNX did early in the game.

Genau dies geht mir seit dem 07.12.2011 durch den Kopf, dem Tag, als ich das erste Mal über Ding­le­berry las. Der letzte Vor­teil von Black­Berry ist nun auch dahin, denn es hat sicher nicht nur mir sehr gut gefal­len, dass das BB OS nie­mals gehackt wurde. Ich habe absicht­lich lange nicht über Ding­le­berry geschrie­ben, weil ich den gan­zen Hacking-​, Cracking– und Jailbreaking-​Markt ablehne, da hier­durch den Ver­ant­wort­li­chen für IT-​Strukturen das Leben unnö­tig schwer gemacht wird. Ich habe ande­rer­seits aber auch erwar­tet, dass RIM die­sem Pro­blem ent­schie­de­ner ent­ge­gen­tritt. Apple hat in der Anfangs­zeit auf die Jail­breaks mit einem regel­rech­ten Feu­er­werk von Firmware-​Updates rea­giert und mitt­ler­weile das Pro­blem weit­ge­hend im Griff. Bei RIM ist es lei­der auch hier wie­der ein­mal wie so oft in der Ver­gan­gen­heit — nichts passiert.

Schade. Aber ande­rer­seits auch ver­ständ­lich bei einem Gerät, dass vom Markt nicht ange­nom­men wird und nur mit Schleu­der­prei­sen an die Kun­den ver­kauft wer­den kann — zuletzt 149 $ für die 32 GB Ver­sion in Nord­ame­rika, was aktu­ell rund 115 € sind (Preise in Nord­ame­rika sind immer Net­to­preise, also nicht 1:1 zu Stra­ßen­prei­sen in Deutsch­land ver­gleich­bar). Und auch in Deutsch­land sind wir schon bei 149 € für die 16 GB Ver­sion gelan­det! Inso­fern stellt sich auch die Frage, ob sich der Jail­break über­haupt lohnt …

RIM bewirbt in den USA mit eige­nen Mai­lings das Black­Berry Play­book für 299 USD

Das hätte ich nicht geglaubt, dass RIM das Ramsch­an­ge­bot für das Black­Berry Play­book auch noch selbst bewirbt! Als mir dies ges­tern Abend von einem Part­ner in den USA erzählt wurde glaubte ich es nicht, er sprach von dem Ver­hal­ten eines Unter­neh­mens, das „sick and dying” sei. Ich bat ihn um die Email und siehe da — RIM macht es wirk­lich! Ich habe den Link auf die Online-​Version der Mail mit dem Bild ver­knüpft, von da kann man auf die eigens bei RIM ein­ge­rich­tete Web­site gelan­gen — rech­tes Bild.

Ich war vom RIM-​Marketing noch nie über­zeugt — aber diese Aktion unter­bie­tet alles bis­her Erlebte. Warum ver­schleu­dert RIM das Black­Berry Play­book? Und noch schlim­mer — warum wer­den 16GB, 32GB und 64GB zu einem Preis ange­bo­ten? Unglaub­wür­di­ger kann Mar­ke­ting nicht sein.

Oder was den­ken Sie über einen Mak­ler, der im sel­ben Haus Woh­nun­gen mit 25, 50 und 100 qm in 1A-​Lage anbie­tet — alle für 300 Euro! Es liegt nahe, dass Sie den Mak­ler bescheu­ert fin­den, zumin­dest aber wis­sen Sie, dass er von sei­nem Ange­bot über­haupt nicht über­zeugt ist.

Im Inter­net wird gemun­kelt, dass die 64GB Ver­sion vom Black­Berry Play­book quasi unver­käuf­lich war und RIM auf rie­si­gen Bestän­den sitzt. Es hat aller­dings bei noch nie­man­dem funk­tio­niert, sich dau­er­haft Markt­an­teile kau­fen zu wol­len. Der Unter­schied zwi­schen Steve Jobs und RIM ist in mei­nen Augen der­je­nige, dass Jobs sein Flops (Lisa, NeXT, Pixar Hard­ware usw.) immer erkannt hat und sich dann abwandte vom jewei­li­gen Irr­tum. Warum gelingt das RIM nicht auch?

Die Preis­s­prei­zung beim markt­be­stim­men­den Gerät, dem iPad 2, liegt für den Unter­schied zwi­schen 16GB und 64GB bei 200 US Dol­lar. Wenn man geneigt ist, dies als rea­lis­tisch anzu­se­hen — und vie­les spricht dafür — dann bedeu­tet dies auf das Black­Berry Play­book umge­setzt, dass das 16GB Black­Berry Play­book nun­mehr einen Han­dels­wert von 99 US Dol­lar hat! Mal abge­se­hen von der Tat­sa­che, dass man das Gerät dafür ver­mut­lich nicht her­stel­len kann — wo ist das ein Marketing-​Konzept? Jedes schlechte Android-​Tablet ist teurer!

Kom­bi­niert man dies noch mit der trau­ri­gen Nach­richt, dass das Black­Berry Play­book mitt­ler­weile auch geroo­ted (gehackt) ist — hier der aktu­ellste Arti­kel zu Ding­le­berry auf Crack­berry — stellt sich für mich die Frage nach einem sinn­vol­len Ein­satz­feld für das Black­Berry Play­book. Ich habe hier bis­her nicht über Ding­le­berry geschrie­ben, weil das Black­Berry Play­book bis heute nir­gendwo auch nur ansatz­weise Rele­vanz im Busi­ness erreicht hat und ich nicht glaube, dass die­ses Gerät in der jet­zi­gen Form eine Zukunft hat. Das nun­mehr mög­li­che Roo­ting des Black­Berry Play­book ist ein zusätz­li­ches und ganz beson­de­res No Go für den Business-​Bereich. Gehackte iPads sind schon nicht schön, aber das Risiko aus dem wesent­lich gefähr­li­che­ren und durch das Roo­ting zugäng­li­chen Android-​Market im Business-​Bereich ist ungleich höher.

Selbst­ver­ständ­lich kann man dem mit Mobile Device Manage­ment begeg­nen. Aber warum soll eine Firma ein Gerät ein­set­zen, von dem der Her­stel­ler erkenn­bar selbst nicht über­zeugt zu sein scheint? Ich kenne kei­nen Grund — der Preis war es dau­er­haft noch nie. Erst recht nicht, wenn man sol­che Schleu­der­preise dau­er­haft nimmt — und das glaube ich bei 4 Wochen „Aktions„dauer. Schade, dass nicht end­lich ein­mal wie­der gute Nach­rich­ten von RIM kommen.