Selbst­ver­such mit Android 4.0.3 auf Samsung Galaxy Nexus i9250 — Android noch Licht­jahre vom iPhone entfernt

Da wir uns aus­schließ­lich dem Thema Mobi­lity wid­men, müs­sen wir stän­dig unsere eigene Posi­tion und unsere Ein­schät­zung des Mark­tes über­prü­fen und neu fokus­sie­ren. Hier­durch sind wir im Sep­tem­ber 2011 zu der Ent­schei­dung gelangt, bei Pre­tioso die BlackBerry-​Lösung abzu­schaf­fen und auf das iPhone umzu­stei­gen. Doch diese Ent­schei­dung ist nicht in Blei gegos­sen und bedarf der stän­di­gen Überprüfung.

Des­halb habe ich jetzt seit 4 Wochen par­al­lel zu mei­nen iOS-​Geräten ein Samsung Galaxy Nexus i9250 mit Android 4.0 in unter­schied­li­chen Relea­ses genutzt. Mich hatte fol­gen­der Text in einem CHIP-​Test (ja, ich weiss, nie CHIP glau­ben) angesprochen:

HD-​Display, enorme Aus­stat­tung und das neue Android 4.0: Mit dem Galaxy Nexus lie­fern Google und Samsung das bis­lang stärkste Nexus-​Smartphone ab. Auch bei den Pra­xis­wer­ten stimmt nahezu alles. Damit sägt das Galaxy Nexus flei­ßig am Thron des Galaxy S2 – mit Erfolg!

Also habe ich mir ein sol­ches Gerät bestellt. Um Miss­ver­ständ­nis­sen vor­zu­beu­gen – dies ist kein Bil­lig­ge­rät. Ich habe ges­tern extra noch ein­mal die Stra­ßen­preise hier in Lüne­burg über­prüft, aktu­ell kos­tet das Gerät hier 369,00 € im Gegen­satz zu einem iPhone 3GS für 299,00 €.

Schon das Aus­pa­cken des Gerä­tes ist eine Ent­täu­schung – wer­tig kommt hier nichts rüber. :-( Wenn man das Gerät dann in der Hand hält ist man ein zwei­tes Mal ent­täuscht. Mein spon­ta­ner ers­ter Gedanke war: China-​Schrott. Die Ent­täu­schung stei­gert sich dann wei­ter, wenn man den Akku ein­le­gen will. Die Akku­ab­de­ckung aus Plas­tik ist so dünn und flat­te­rig, dass man beim ers­ten Mal meh­rere Ver­su­che braucht, die Klappe wie­der zu schlie­ßen. Sel­ten hatte ich ein schlech­te­res Inbetriebnahmeerlebnis.

Bei der Benut­zung des Gerä­tes merkt man sehr schnell, dass man am bes­ten kei­nen Ver­gleich mit dem iPhone anstellt, denn das Gebrauchs­er­leb­nis ist im Ver­gleich gera­dezu arm. Anwen­dern von iPhone und iPad, die sich über zu große Wär­me­ent­wick­lung beschwe­ren, sei ein­mal die Nut­zung die­ses “Grills” emp­foh­len – sie wer­den sich danach über ihr ange­nehm küh­les Gerät freuen. Schon 5 Minu­ten Arbeit im Post­fach mit Löschen und Ver­schie­ben von Email las­sen das Gerät im obe­ren Bereich so warm wer­den, wie es ein iPhone nach einer Stunde nicht wird. Nutzt man das Gerät für Navi­ga­tion wird es sogar rich­tig heiss.

Da ich nicht pin­ge­lig bin, hätte mich dies aber nicht gestört. Mich hat bei den Android-​Geräten der Ver­sion 2.3 bis­her immer gestört, dass Appli­ka­tio­nen auf Android fast immer schlech­ter aus­se­hen als auf iOS-​Geräten. Des­halb hatte ich gehofft, dass Android 4.0 in die­sem Bereich zu Ver­bes­se­run­gen führt. Dies ist lei­der nicht der Fall. Abge­se­hen davon, dass für Android die Aus­wahl busi­ness­na­her Appli­ka­tio­nen zur Zeit noch klar klei­ner ist als für iOS, sehen die Appli­ka­tio­nen, die für beide Platt­for­men ver­füg­bar sind, auf dem iPhone oder iPad immer deut­lich bes­ser aus. Google Cur­rents ist hier­für das beste Bei­spiel. Wenn der Her­stel­ler von Android es bei sei­ner eige­nen Appli­ka­tion noch nicht ein­mal schafft, die wirk­lich traum­hafte Optik auf den iOS-​Geräten auf dem eige­nen Betriebs­sys­tem auch zu errei­chen, muss man fest­stel­len: Ziel nicht erreicht!

Um Miss­ver­ständ­nis­sen vor­zu­beu­gen: Ich bin nicht gegen Android, weil es durch­aus sehr viele intel­li­gente und gute Funk­tio­nen ent­hält. Bei­spiels­weise gefällt mir die Recht­schreib­kor­rek­tur mit fast immer pas­sen­den kon­text­ua­len Vor­schlä­gen sehr viel bes­ser als auf iOS. Wäh­rend der Text­ein­gabe erhält man eine breite Aus­wahl mög­li­cher Worte. Toll gemacht, toll zu benut­zen und Licht­jahre vor der Recht­schreib­kor­rek­tur von iOS. Das Hand­ling von Fotos und Bil­dern – deut­lich intui­ti­ver als bei iOS. Uns so könnte ich noch diverse andere gut gelöste Ein­zel­fea­tures erwähnen.

Aber ein Smart­phone oder Tablet in die­ser Leis­tungs– und Preis­klasse defi­niert sich nicht über die Ein­zel­fea­tures. Was zählt, ist der Gesamt­ein­druck. Und der ist nicht nur auf­grund bil­li­ger und hake­li­ger Ver­ar­bei­tung schlecht. Die Funk­tion des Touch­screens ist schlecht, Befehle und Ges­ten müs­sen oft wie­der­holt wer­den, da sie beim ers­ten Mal nicht ver­stan­den wer­den. Gene­rell läuft die Firm­ware 4.0.2 oder 4.0.3 viel zu hake­lig, ein ähn­lich intui­ti­ves Benut­zungs­er­leb­nis wie ein iOS-​Gerät lie­fert das i9250 in kei­ner Anwendungssituation.

Erschwe­rend kommt hinzu, dass es mich mitt­ler­weile nervt, dass Android-​Geräte kei­nem ein­heit­li­chen Bedien­schema fol­gen. Nicht nur jeder Her­stel­ler passt die Ein­stell­mög­lich­kei­ten sei­nen Wün­schen in einer äußerst uner­go­no­mi­schen Art und Weise an. Auch Geräte des­sel­ben Her­stel­lers fol­gen oft unter­schied­li­chen Ein­stell– und Bedien­kon­zep­ten, die von intui­tiv und schnell ver­ständ­lich oft sehr weit ent­fernt sind. Die Viel­falt von Android ist für mich nicht Chance son­dern Plage – ich habe keine Lust stän­dig neue Ein­stell­me­nüs und Bedien­sche­men zu erler­nen. Des­halb sollte Android sehr zeit­nah ein ein­heit­li­ches Bedien­kon­zept ent­wi­ckeln – dies wird mass­geb­li­chen Ein­fluss auf einen (schnel­len) Erfolg der Platt­form bei Business-​Anwendern haben.

Um Miss­ver­ständ­nis­sen vor­zu­beu­gen: ich bewerte das Gerät nur aus der Sicht eines Business-​Anwenders. Und bei die­ser Sicht muss ich fest­stel­len, dass das Gerät zwar deut­lich bes­ser ist als die Mehr­heit der Android-​Geräte, hin­sicht­lich Appli­ka­ti­ons­viel­falt und Bedie­nung aber nicht ansatz­weise an iOS-​Geräte her­an­kommt – auch nicht an die Alten! Inso­fern ist aktu­ell ein iPhone 3GS für 299,00 € die deut­lich bes­sere Wahl als ein i9250 für 369,00 €.

Und inso­fern brau­chen wir der­zeit unsere Ent­schei­dung bei Pre­tioso für iOS nicht zu überdenken.


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Ein Kommentar

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  1. […] an ein Smart­phone. Und ver­mut­lich ist es bei der Benut­zung genauso ein Grill an der Wange wie das Samsung Galaxy Nexus i9250. Kurzum: die vom Ehr­geiz zer­fres­sene Firma aus Korea hat es mal wie­der nicht geschafft an Apple […]

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