Rese­arch in Motion (RIM) kapi­tu­liert — Black­Berry ohne BES nicht mehr sicher

Ges­tern berich­tete Crack­berry über einen sehr wich­ti­gen Sach­ver­halt, der die Inte­gri­tät und Sicher­heit der BlackBerry-​Lösung betrifft. In Deutsch­land hat sich bis­her noch keine der gro­ßen Platt­for­men wie Heise um das Thema geküm­mert und der unauf­fäl­lige Titel lautet:

RIM installs Black­Berry ser­ver in Mumbai

Was bedeu­tet dies nun? Die BlackBerry-​Infrastruktur basiert auf soge­nann­ten Net­work Ope­ra­tion Cen­ters (NOC), deren Funk­tion wird in die­sem Arti­kel der Com­pu­ter­wo­che sehr gut dar­ge­stellt. Diese wur­den bis­her in Kanada, Sin­ga­pur und UK betrie­ben. RIM ver­si­cherte bis auf den heu­ti­gen Tag, dass ein Aus­le­sen der Daten im NOC nicht gestat­tet wird. Wenn man daran glaubte – nicht alle taten dies, ich aber schon – war die Black­Berry Tech­no­lo­gie deut­lich siche­rer als andere Tech­no­lo­gien, gerade wenn es um Instant Mes­sa­ging über den Black­Berry Mes­sen­ger geht.

RIM hat nun dem Druck der indi­schen Regie­rung nach­ge­ge­ben, dass diese Zugriff auf das indi­sche NOC erhält, glei­ches wird in ande­ren Län­dern pas­sie­ren. Kauf­män­nisch kann ich dies durch­aus ver­ste­hen, der indi­sche Markt ist für jeden Her­stel­ler inter­es­sant. Der wesent­li­che Nach­teil ist aller­dings, dass sich hier­durch der Sicher­heits­nim­bus der Black­Berry Tech­no­lo­gie in Luft auf­löst, denn nie­mand weiss, wie weit die Zuge­ständ­nisse von RIM an Regie­rungs­stel­len gehen.

Der­zeit gilt die Kom­mu­ni­ka­tion von BES-​Servern zwar noch als sicher auf­grund der am BES-​Server erfol­gen­den Ver­schlüs­se­lung – aber ist das wirk­lich so? Die seit lan­gem kur­sie­ren­den Sicher­heits­be­den­ken gegen die NOCs erhal­ten durch diese Ent­wick­lung neue Nah­rung. Mei­nes Erach­tens ist ab jetzt unter dem Sicher­heits­as­pekt jedes andere Ver­schlüs­se­lungs­kon­zept der Black­Berry Tech­no­lo­gie über­le­gen, da man bei selbst gene­rier­ten Zer­ti­fi­ka­ten und selbst auf­ge­setz­ten Ver­schlüs­se­lungs­tech­no­lo­gien eine bes­sere Kon­trolle über die Tech­no­lo­gie des gesam­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ges hat.

Noch bedenk­li­cher ist die Ent­wick­lung vor dem Hin­ter­grund der Tat­sa­che, dass RIM mit Black­Berry Mobile Fusion ver­sucht im Markt für Mobile Device Manage­ment Fuss zu fas­sen. Wel­cher CIO kann ernst­haft auf eine Tech­no­lo­gie set­zen, die seine gesamte mobile Infra­struk­tur mit einem NOC ver­bin­det, des­sen Funk­tio­na­li­tät (ver­ständ­li­cher­weise) nicht trans­pa­rent ist, gleich­zei­tig aber Regie­run­gen in Schwel­len­län­dern, die nicht für unsere Begriffe von Sicher­heit und Daten­schutz ste­hen, zugäng­lich gemacht wird? Diese Beden­ken wer­den auch sehr klar von eini­gen Usern im Crackberry-​Beitrag kommentiert:

Zutuk: I wouldn’t be sur­pri­sed if the US and Cana­dian govern­ments demand this from RIM as well, espe­cially since they are intro­du­cing those new bills to look at our inter­net activity.

1magine: Awe­some. Next next the N.A. NOC goes down, maybe they’ll route through Mum­bai. Per­fect secu­rity solu­tion for North America.

Echo­Tango: This remo­ves a key RIM dif­fe­ren­tia­tor as the net­work is no lon­ger pri­vate, just like all the rest. I can ima­gine the lob­by­ing to “shut down the ter­ro­rist net­work” and by “acci­dent”, level the com­pe­ti­tive play­ing field.

Aber eines ist ab jetzt wenigs­tens noch kla­rer als zuvor: Sichere Kom­mu­ni­ka­tion und siche­res Mobile Device Manage­ment muss vom Anwen­der selbst orga­ni­siert wer­den. Ich glaube, dass sich RIM mit die­ser Ent­schei­dung nun­mehr end­gül­tig in die Reihe der Endgeräte-​Hersteller ein­reiht und damit auf den Con­su­mer Markt fokus­siert. Die Bedeu­tung im Business-​Umfeld wird wei­ter zurück­ge­hen, denn wer will schon ein Mobile Device Manage­ment ein­set­zen, das mit einem NOC kom­mu­ni­ziert, wo man noch nicht ein­mal weiss, in wel­chem Land die­ses steht, wie der Traf­fic gerou­tet wird und wer über­haupt Zugang hat?

Immer mehr Fir­men sicher nicht.

PS: Diese Ent­wick­lung geht deut­lich über die Zuge­ständ­nisse aus dem Januar 2011 hin­aus, nach­zu­le­sen z.B. beim Han­dels­blatt. Denn nun­mehr hat man eine kom­plette Infra­struk­tur (NOC) nach Indien gestellt und nie­mand weiss, wie diese in die Gesamt­struk­tur ein­ge­bun­den ist und was Indien zuge­sagt wurde.

Update 1

Ich habe jetzt den Ori­gi­nal­be­richt in der Times of India gele­sen. Dort wird expli­zit aus­ge­führt wie mit BES Mails angeb­lich umge­gan­gen wird:

DoT has infor­med the home minis­try that there are about 5,000 enter­prise ser­vers for BES. RIM rep­re­sen­ta­ti­ves had ear­lier explai­ned that Black­Berry mobile devices send encryp­ted emails rou­ted to BES loca­ted with the ser­vice pro­vi­der. BES decrypts the mes­sa­ges and sends it to the email ser­ver of the ser­vice pro­vi­der where it is stored in decryp­ted form. Then the mes­sage is pus­hed to the Black­Berry device in encryp­ted form.


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6 Kommentare

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  1. […] Inte­gra­tion des Black­Berry Enter­prise Ser­vers 5.0.3 – keine sichere Tech­nik mehr […]

  2. […] OS 2.0 eher ver­steckt bestä­tigt. Im Kern ist es nicht wirk­lich über­ra­schend, seit­dem die Tech­no­lo­gie des Black­Berry Enter­prise Ser­vers an Indien offen­bart wurde. RIM […]

  3. Ich habe nichts ande­res geschrieben:

    Der­zeit gilt die Kom­mu­ni­ka­tion von BES-​Servern zwar noch als sicher auf­grund der am BES-​Server erfol­gen­den Ver­schlüs­se­lung – aber ist das wirk­lich so?

    Ken­nen Sie die Abre­den mit Indien? Wis­sen Sie, dass dort wirk­lich nur User mit Black­Berry Inter­net Ser­vice mit­ge­le­sen wer­den kön­nen? Wis­sen Sie, wie weit die Zuge­ständ­nisse an Indien gehen?

    Ich weiss es nicht und bevor­zuge mitt­ler­weile Tech­no­lo­gien, die der Anwen­der kom­plett unter Kon­trolle hat.

    1. – aber ist das wirk­lich so?” — mit sol­chen Halb­sät­zen wird gerne eine Ver­schwö­rung her­bei­zi­tiert, wenn die eige­nen Infor­ma­tio­nen nicht rei­chen. Tech­nisch gese­hen ist es alles andere als ein­fach, die Ver­schlüs­se­lung zwi­schen BES und Smart­phone zu kna­cken. Es ist sicher mach­bar, deut­lich ein­fa­cher ist es aber, wenn sich die indi­sche Regie­rung (oder jede andere übri­gens) die Lei­tung des Unter­neh­mens anzapft, schließ­lich ver­schlüs­selt kaum ein Unter­neh­men die Nach­rich­ten. Oder nut­zen Sie Lösun­gen wie PGP? Das wird übri­gens im ver­link­ten CoWo-​Artikel schön erklärt.

      der Anwen­der kom­plett unter Kon­trolle hat.„
      Die da wären? Active­Sync? IMAP? POP3? Kon­trolle hat man maxi­mal bis zum Rou­ter im eige­nen Unter­neh­men.
      Ich sehe, dass Sie unter ande­rem Ama­zon nut­zen, um Cloud-​Szenarien zu ver­wirk­li­chen — ken­nen Sie hier die Abspra­chen zwi­schen dem Anbie­ter und dem Land, in dem die Amazon-​Cloud-​Server stehen?

      Ich ver­stehe, dass man auf RIM rum­hackt, das ist ja ein net­ter Sport und teil­weise auch berech­tigt. Aller­dings wäre es schön, wenn Sie die glei­chen Maß­stäbe auch bei ande­ren Lösun­gen anle­gen, die Sie ja aktiv anbieten.

      1. Sie haben mit allem Recht. Aber Sie haben — genau­so­we­nig wie ich — eine Ant­wort auf die oben gestell­ten Fra­gen. Wer sagt, dass Indien nur den BIS kon­trol­lie­ren will? Wer sagt, dass die Infor­ma­tio­nen über Fir­men nicht viel inter­es­san­ter sind (Indus­trie­spio­nage)? Und wer sagt, dass in Indien 1:1 die heute bekannte Tech­no­lo­gie instal­liert wurde? Wir wis­sen es beide nicht.

        Ich gehe davon aus, dass ich Ihnen an die­ser Stelle nicht die Mög­lich­kei­ten siche­rer Email-​Kommunikation dar­stel­len muss, die ken­nen Sie sicher und das hat nichts mit IMAP, POP oder AS zu tun. Und um auf Ihre Frage zu ant­wor­ten: Ja, wir nut­zen Ver­schlüs­se­lungs­tech­nik für unsere Email-​Kommunikation in aus­ge­wähl­ten Berei­chen. Und diese Lösun­gen kon­trol­lie­ren wir von End­punkt zu Endpunkt.

        Zum Thema Cloud: Ich halte Cloud-​Lösungen vor dem Hin­ter­grund Ihres berech­tig­ten Hin­wei­ses grund­sätz­lich nicht für sicher, schon gar nicht von US-​Unternehmen. Aber es gibt Anwen­der, denen die­ser Punkt egal ist und für diese Gruppe kann die Cloud eine Lösung sein.

        Ich hacke nicht auf RIM rum. Im Gegen­teil. Ich bedauere als jah­re­lan­ger Anhän­ger der Lösung die Ent­wick­lung, die RIM mei­nes Erach­tens schadet.

  4. Die­ses „Pro­blem” gibt es doch schon immer. Die NOCs ste­hen in den UK und den USA, nicht dass es da schwie­ri­ger wäre, an Daten zu kom­men.
    Aber: die BES-​Architektur sorgt für eine End-​to-​End-​Verschlüsselung zwi­schen BES-​Server (in der Firma) und dem Smartphone-​Endpunkt. Pro­ble­ma­tisch ist in die­sem Zusam­men­hang die Kom­bi­na­tion aus BIS und Black­berry, also die Dienste, die von über die Pro­vi­der kom­men und ohen BES aus­kom­men. Um die BES-​Mails zu kna­cken, müsste die Ver­schlüs­se­lung kom­plett auf­ge­bro­chen und wie­der zusam­men­ge­setzt werden.

    Den Unter­schied sollte ein Anbie­ter von Mobile Lösun­gen eigent­lich kennen.

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