Mobile World Con­gress 2012 — mein per­sön­li­cher Rückblick

Ges­tern abend bin ich nach 4 Tagen in Bar­ce­lona vom MWC 2012 zurück­ge­kehrt und ich möchte an die­ser Stelle meine Ein­drü­cke zusam­men­fas­sen. Da es nicht mein ers­ter Besuch in Bar­ce­lona war, kann ich mit den Vor­jah­ren ver­glei­chen. Einige Ein­drü­cke ver­mit­teln auch die Bil­der, die ich in die­sen Bei­trag ein­ge­fügt habe.

Der Bro­kerage Event im kata­lo­ni­schen Pavil­lon war bes­ser als in den Vor­jah­ren. Bes­ser in jeder Hin­sicht. Das Event war Wel­ten bes­ser orga­ni­siert als je zuvor, die Orga­ni­sa­to­ren zeig­ten sehr deut­lich, dass Ihnen der Erfolg der Teil­neh­mer sehr am Her­zen liegt. Die Ein­hal­tung der Länge der Mee­tings wurde straff durch­ge­setzt mit Pfif­fen einer Tril­ler­pfeife, allein war­tende Teil­neh­mer wur­den sofort ange­spro­chen, um den jeweils feh­len­den Gesprächs­part­ner zu orga­ni­sie­ren und alle vom Ver­an­stal­tungs­team waren sehr prä­sent und außer­or­dent­lich hilfs­be­reit. Herz­li­chen Dank dafür! Sogar der Ver­an­stal­tungs­ort war end­lich ein­mal aus­rei­chend beheizt, man bib­berte sich nicht von Gespräch zu Gespräch. :-) Die wirk­lich sehr gute Orga­ni­sa­tion führte wohl auch dazu, dass ich erst­mals keine aus­ge­fal­le­nen Mee­tings erlebte.

Das Ergeb­nis der Mee­tings ist eben­falls sehr erfreu­lich. So kön­nen wir uns über neue Reseller-​Partner in UK und der Tür­kei freuen, haben ein Pro­jekt mit der Fraunhofer-​Gesellschaft ange­scho­ben und sind auf meh­rere inter­es­sante neue Part­ner für die Zukunft getrof­fen, hierzu ver­rate ich aber jetzt noch nicht mehr.

Die Bedeu­tung der Ver­an­stal­tung wurde zusätz­lich auch dadurch auf­ge­wer­tet, dass der spa­ni­sche Kron­prinz den Pavil­lon des Brokerage-​Event gleich am ers­ten Ver­an­stal­tungs­tag aus­gie­big besuchte, eines der Fotos zeigt ihn vor dem Ein­gang. Vor die­sem Hin­ter­grund war der Besuch ein vol­ler Erfolg, es war der beste Brokerage-​Event, den ich bis­her erle­ben durfte. Danke dafür an EEN und die regio­na­len Orga­ni­sa­to­ren in Barcelona.

Ohne das her­vor­ra­gende Brokerage-​Event, das hof­fent­lich noch lange statt­fin­det, wäre meine Bilanz nega­tiv, der MWC ist in mei­nen Augen eine Ver­an­stal­tung, die sich auf dem abstei­gen­den Ast befin­det, inso­fern ver­stehe ich die über­all statt­fin­dende posi­tive Bericht­er­stat­tung nicht. Die Orga­ni­sa­tion wird von Jahr zu Jahr schlech­ter – von deso­la­ter gas­tro­no­mi­scher Ver­sor­gung – man steht immer lange an, mit­tags sind dies schnell auch ein­mal 30 Minu­ten – bis zu kata­stro­pha­len hygie­ni­schen Bedin­gun­gen – die Toi­let­ten sind ver­siff­ter als bei Sport-​Großveranstaltungen – ist das Bild rundum nega­tiv. Auch die Blo­ckie­rung des Haupt­ein­gan­ges am Mitt­woch war ein Beleg für die deso­late Orga­ni­sa­tion die­ser Ver­an­stal­tung. Messe und Ver­an­stal­ter soll­ten sich ein­mal bei einer pro­fes­sio­nel­len Orga­ni­sa­tion wie der Deut­schen Messe AG Hilfe holen.

Kri­tik­wür­dig sind auch die Ein­tritts­preise. Von 699,00 € nur für den Austel­lungs­be­such bis 4.999,00 € für den Platin-​Pass – die spin­nen, die Bri­ten! Der Aus­stel­lungs­be­such war in die­sem Jahr auf jeden Fall nicht 699,00 € wert, da die Her­stel­ler offen­kun­dig der Ver­an­stal­tung nicht mehr den Stel­len­wert wie frü­her bei­mes­sen und daher auch nicht mehr alle mit Neu­hei­ten nach Bar­ce­lona kom­men. Mir wurde die sin­kende Bedeu­tung auch dadurch bewusst, dass ich fast nie­man­den aus Deutsch­land traf – im Gegen­satz zu den Vor­jah­ren. Aber auch beim Gang über die Messe fie­len über­all ver­bret­terte oder als War­te­zo­nen umge­wid­mete Berei­che auf, die vor eini­gen Jah­ren noch mit Stän­den belegt waren.

Was waren nun die Trends?

Hin­sicht­lich des in Bar­ce­lona breit vor­han­de­nen Infra­struk­tur­be­rei­ches für die Car­rier kann ich mir kein Urteil erlauben.

Im Bereich der Hard­ware fehl­ten auch die wirk­li­chen Neu­hei­ten, man hat das Gefühl, alle war­ten auf das iPad 3 und iPhone 5, damit sie end­lich wie­der Trends set­zen kön­nen. Man konnte aber erken­nen, dass immer mehr Teil­neh­mer auf den Markt Mobi­lity drän­gen, von den eta­blier­ten Mar­ken fiel hier­bei Fujitsu mit lang­wei­li­gen Gerä­ten auf. Aber auch sehr viele neue Anbie­ter aus China zeig­ten sich mit auf den Preis ori­en­tier­ten Pro­duk­ten, die größ­ten Auf­tritte hierzu boten Hua­wei und ZTE, wobei auf dem Stand von ZTE kaum lauf­fä­hige Geräte zu sehen waren. In Erman­ge­lung wirk­li­cher Neu­hei­ten kon­zen­trier­ten sich die Her­stel­ler auf Gim­micks. So zeig­ten Fujitsu und Pana­so­nic was­ser­dichte Smart­pho­nes und Tablets, wobei sich die Frage stellt, wer das wirk­lich braucht. Fujitsu warb dafür damit, dass es nun kein Pro­blem mehr sei, wenn das Smart­phone ins Klo fällt – na prima! Samsung führte den Stift beim Galaxy Note wie­der neu ein – Boah! Im Bereich der Hard­ware über­raschte mich aus­schließ­lich Nokia posi­tiv. Ein wirk­lich rie­si­ger Auf­tritt mit inter­es­san­ten Gerä­ten – Nokia ist noch nicht so tot, wie es viele glau­ben. RIM war auch da und zeigte den übli­chen BlackBerry-​Auftritt ganz in schwarz, wenn auch viel klei­ner als in den Vor­jah­ren. Sooft ich am Stand vor­bei­ging, war die­ser recht leer – im Gegen­satz zum nahe gele­ge­nen und oft über­lau­fe­nen Nokia-​Stand.

Ich habe wirk­lich alle Stände und Anbie­ter abge­lau­fen und hier­bei auch jeden ein­zel­nen Part­ner auf Gemein­schafts­stän­den ange­se­hen, um mir einen Ein­druck des Ange­bo­tes zu ver­schaf­fen. Hier­bei fiel mir auf, dass das Ange­bot an Lösun­gen und Soft­ware deut­lich zurück­ge­gan­gen ist. Dra­ma­tisch zurück­ge­gan­gen ist viel­leicht die noch bes­sere Bezeich­nung, wenn man berück­sich­tigt, dass die App­World auf geschätzt ein Drit­tel zusam­men­ge­schrumpft ist. Ich habe trotz­dem drei Trends erkannt:

  • Mobile Device Management
  • Mobile Mar­ke­ting in allen denk­ba­ren Ausprägungen
  • Consumer-​orientierte Anwen­dun­gen, Dienste und Services
  • Android

Mobile Device Manage­ment (MDM) ist der alles über­ra­gende Trend im B2B-​Sektor. Sehr viele Anbie­ter sind auf die­sen Zug mit teil­weise grenz­wer­ti­gen Ange­bo­ten auf­ge­sprun­gen, die oft nicht wirk­lich etwas mit MDM zu tun haben. Die wenigs­ten konn­ten mir eine funk­tio­nie­rende Lösung vor­füh­ren, man ent­schul­digte sich oft damit, dass man keine Online-​Verbindungen hätte. Sehr komisch, wenn man als Her­stel­ler seine eigene Lösung nicht off­line prä­sen­tie­ren kann! Viele Anbie­ter bie­ten Deri­vate der gro­ßen ame­ri­ka­ni­schen Lösun­gen an und haben im Kern kein eigen­stän­di­ges Ange­bot. 90% Mar­ke­ting, 10% Leis­tung – man merkt, dass hin­ter vie­len MDM-​Firmen Ven­ture Capi­tal steckt. Anbie­ter und Lösun­gen aus Europa – Fehl­an­zeige. Klar – wir stel­len da ja auch nicht aus. ;-)

Mobile Mar­ke­ting in allen denk­ba­ren Aus­prä­gun­gen ist das ja nun schon seit eini­ger Zeit gehypte Kon­zept für Mobi­lity – mich erin­nern die meis­ten der Ange­bote an die Blase 20002001. In der Mobi­lity inkom­pe­tente Mar­ke­teers haben die neu­este Sei­fen­blase ent­deckt und pin­seln diese von allen Sei­ten mit den schil­lernds­ten Kon­zep­ten an. Sicher wird mobile Mar­ke­ting einen Stel­len­wert in der Zukunft haben – die Masse die­ser unüber­seh­ba­ren Heer­schar sich oft nur mar­gi­nal unter­schei­den­der Kon­zepte und Lösun­gen wird unter­ge­hen, bevor sie wahr­ge­nom­men wur­den. Aber dies pas­siert ja nicht das erste Mal in unse­rer Industrie.

Die Viel­zahl der auf den Con­su­mer zie­len­den Lösun­gen und Kon­zepte sind im klas­si­schen App Bereich von 99 Cent bis ein paar Euro ange­sie­delt. Man sieht hier nette Ideen und Kon­zepte und das eine oder andere wird sicher Erfolg haben. Fast alle mit denen ich sprach, sind davon beseelt, einen Block­bus­ter wie Angry Birds in den Hän­den zu hal­ten, mir ist aller­dings keine Lösung auf­ge­fal­len, über die es sich in die­sem Bereich aus mei­ner Sicht zu berich­ten lohnt.

Ein wei­te­rer kla­rer Trend, den ich der­zeit noch fast aus­schließ­lich im Consumer-​Bereich sehe, ist ein regel­rech­ter Android-​Hype. Eine sehr groß gestal­tete Android-​Welt zeigte eine Viel­zahl von Spie­len und auf den Con­su­mer ori­en­tier­ten Lösun­gen. B2B ist bei Android noch nicht wirk­lich ange­kom­men. Aber die Messe war deut­lich vom grü­nen Männ­chen domi­niert und beherrscht – man musste meist nur wenige Meter gehen, um wie­der einen Stand zu fin­den, wo der kleine Kerl zu sehen war.

Eine letzte Wahr­neh­mung. Egal wie wich­tig die Ver­an­stal­tung ist, fast alle wich­ti­gen Indus­trie­län­der zei­gen dort mas­siv Flagge und unter­stüt­zen ihre natio­na­len Unter­neh­men. Allen voran Frank­reich und Israel mit rie­si­gen Auf­trit­ten, aber auch Irland, Nord­ir­land, Schott­land, UK (ja UK mit einer Viel­zahl von Stän­den!), Nor­we­gen, Schwe­den, Bel­gien und Kanada um nur einige auf­zu­zäh­len. Deutsch­land? Fehl­an­zeige. Wir sind ja so toll, wir brau­chen so etwas nicht! Der Fair­ness hal­ber sei gesagt, dass NRW mit einem gro­ßen Stand aus­stellte und Berlin-​Brandenburg immer­hin mit einem klei­nen. Aber das ist zu wenig für ein Land, das vor­gibt, sich den Zukunfts­tech­no­lo­gien zu widmen.

Zusam­men­ge­fasst bin ich froh, dass es den Bro­kerage Event im Rah­men des MWC gibt, die­ser hat mir eine tolle Woche ermög­licht. Hätte es die­sen nicht gege­ben, hätte ich mich sehr geär­gert, dort gewe­sen zu sein.


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  1. […] nach Bar­ce­lona – trotz mei­ner teil­weise schlech­ten Ein­drü­cke im letz­ten Jahr (Mobile World Con­gress 2012 — mein per­sön­li­cher Rück­blick), da ich hoffe, dass der Wech­sel des Ver­an­stal­tungs­or­tes die Qua­li­tät der […]

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