Private Use Of Company Equipment (PUOCE) oder auf deutsch private Nutzung von Firmengeräten ist nichts im Kern Neues. Jede Nutzungsregelung für die private Nutzung eines Dienstwagens ist im Kern nichts anderes, nur das hierfür in Deutschland andere steuerrechtliche Rahmenbedingungen gelten als für IT-Ausstattung. Für Datenverarbeitungs– und Telekommunikationsgeräte gilt:
EStG § 3 Ziffer 45
Steuerfrei sind …
45. die Vorteile des Arbeitnehmers aus der privaten Nutzung von betrieblichen Datenverarbeitungsgeräten und Telekommunikationsgeräten sowie deren Zubehör, aus zur privaten Nutzung überlassenen System– und Anwendungsprogrammen, die der Arbeitgeber auch in seinem Betrieb einsetzt, und aus den im Zusammenhang mit diesen Zuwendungen erbrachten Dienstleistungen; …
Im Klartext: im Gegensatz zu der Überlassung von Dienstwagen, die in Deutschland nicht wirklich arbeitnehmerfreundlich geregelt ist, hat ein Unternehmen bei sämtlichen Dingen, die die IT– und Telekommunikationsstruktur betreffen, einen sehr großen Handlungsspielraum bei der Ausstattung von Mitarbeitern mit Computern und Telefonen (auch) für private Zwecke – man muss es einfach nur wollen! Einen einführenden Artikel zu diesem Thema finden Sie hier.
Vor diesem Hintergrund, der vermutlich vielen BYOD-Befürwortern nicht bekannt ist, gewinnt die Diskussion um Bring Your Own Device noch absurdere Züge:
- Bei Bring Your Own Device (BYOD) gibt es bis heute kein rechtlich einwandfreies und beherrschbares Szenario zur Gestaltung des Unternehmensanspruches, bei Private Use Of Company Equipment (PUOCE) liefert das Einkommensteuergesetz die Lösung.
- Bei BYOD machen sich die Firmen Gedanken über Nutzungsentschädigungen und Kostenübernahmen, bei PUOCE entfällt dieser Punkt komplett. Kosten haben faktisch vor dem Hintergrund von Flatrates nur noch für den Bereich des Roaming Bedeutung, was beim obligatorischen Einsatz eines leistungsfähigen MDM-Systemes bei PUOCE ebenfalls kein Problem darstellt.
- Bei BYOD muss das Unternehmen mit den Mitarbeitern über eine Mitbenutzung der Geräte und Einschränkungen auf den Geräten der Mitarbeiter diskutieren, bei PUOCE schenkt das Unternehmen den Mitarbeitern Vertrauen und einen materiellen Vorteil.
Die Vorteile von PUOCE liegen so deutlich auf der Hand, dass sich die Frage stellt, warum dieser Ansatz bisher nicht Verbreitung fand und BYOD überhaupt in die Diskussion kommen konnte. Die Antwort ist einfach. Neben Gründen, die ich im Beitrag BYOD Bring Your Own Device – Eine der dümmsten Ideen aller Zeiten von Gartner, Forrester und Vorständen und in diversen anderen Beiträgen hier im Blog thematisiert habe, spielt eine Rolle, dass viele Systeme für Mobile Device Management am Markt ein solches Konzept nicht unterstützen können bzw. konnten. Darüber hinaus waren für bestimmte Bereiche eines PUOCE-Konzeptes noch nicht (auf allen Plattformen) die erforderlichen Apps verfügbar.
Was ist PUOCE – Private Use of Company Devices?
Bei einem PUOCE-Konzept wird der private Gebrauch von (mobilen) Endgeräten – Notebooks, Smartphones, Tablets (im Kern kann hier jegliches IT-Equipment bereit gestellt werden) – geregelt. Die private Nutzung wird beschränkt, unbeschränkt oder nach einem klar definierten Regelwerk dem Mitarbeiter erlaubt. Das Unternehmen ist Besitzer der Geräte und Infrastrukturkomponenten und trägt sämtliche mit der Nutzung und dem Gebrauch der Geräte und Infrastruktur entstehenden Kosten. Hierdurch hat das Unternehmen die uneingeschränkte Möglichkeit, den Gebrauch der Geräte im Sinne seiner eigenen Security– und Compliance-Anforderungen zu regeln und kann durch dieses Konzept ggf. auch unterschiedliche Level und Berechtigungen für die private Nutzung definieren.
Wie setzt ein Unternehmen ein PUOCE-Konzept um?
Basis jeden PUOCE-Konzeptes ist eine Mobility-Strategie, die klar das Ziel der mobilen Datennutzung definiert und die aus Sicht des Unternehmens notwendigen Rahmenbedingungen absteckt. Leider werden auch heute noch immer wieder mobile Projekte ohne das Vorhandensein einer mobilen Strategie adhoc umgesetzt, was regelmäßig zu vermeidbaren Kosten und Reibungsverlusten führt. Ein PUOCE-Konzept, das nicht auf einer geeigneten Mobility-Strategie basiert, ist zum Scheitern verurteilt – dies ist die einzige Gemeinsamkeit mit BYOD-Konzepten.
Zweite Voraussetzung für die Umsetzung eines PUOCE-Konzeptes ist die Nutzung eines leistungsfähigen Systems für Mobile Device Management (MDM), nur wenige Systeme am Markt können ein komplexes PUOCE-Konzept umsetzen. Um Missverständnissen vorzubeugen sei der Hinweis gegeben, dass Mobility im Jahr 2012 immer mit einem MDM-System verwaltet werden sollte, unabhängig von PUOCE, BYOD oder einem anderen Konzept.
Das eigentlich PUOCE-Konzept besteht aus den vom Unternehmen definierten Private-App-Groups, die (plattformbezogen ggf. unterschiedlich) die vom Unternehmen für die private Nutzung zugelassenen Apps definieren und enthalten. Unternehmen können entweder mit einer einzigen Private-App-Group arbeiten oder verschiedene Anwendungsszenarien mit unterschiedlichen Private-App-Groups für verschiedene Private-Use-Groups definieren. Private-Use-Groups werden aus der Berechtigungsverwaltung des Unternehmens (AD /LDAP) und /oder aus der Berechtigungsverwaltung des MDM-Systems abgeleitet. Ein typisches Beispiel für eine Private-Use-Group ist beispielsweise eine Gruppe für VIP-User.
Basis für die Bildung der Private-App-Groups sind die vom Unternehmen hierfür gewünschten Funktionen, die in der Mobility-Strategie definiert sind. Drei Grundfunktionalitäten sollten aus Akzeptanzgründen des PUOCE-Konzeptes durch die Mitarbeiter in jeder Private-App-Group enthalten sein:
- Mail– und PIM-Funktionalität
- Messenger-Funktionalität
- Benutzung von (ausgewählten) Social Networks
Darüber hinaus sind sowohl unternehmensweit als auch gruppenbezogen die Zulassung weiterer Funktionen und Apps möglich, um den Vorgaben der Mobility-Strategie des Unternehmens zu entsprechen.
Was hierbei wie gemacht werden sollte und was möglich und sinnvoll ist, werde ich in den nächsten Beiträgen zu PUOCE unter Berücksichtigung der Besonderheiten der verschiedenen mobilen Plattformen besprechen. Wenn Sie schon jetzt weitere Fragen zum PUOCE-Konzept oder zu anderen mobilen Fragen haben, fragen Sie uns. Wir haben die Antwort – garantiert! Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, empfehlen Sie uns bitte weiter auf dem sozialen Netzwerk Ihrer Wahl, wir freuen uns über jede Empfehlung auf Facebook, Google Plus oder Twitter.
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