iPhone 5S – Nach vorne denken? OK! -> Apple steigt zum Waffenhersteller auf – Das Wettrennen der Hersteller um die Liebe der NSA

Vorgestern wurde das iPhone 5S vorgestellt. Die Timeline auf Twitter wurde – die entsprechenden Quellen vorausgesetzt – mit Belanglosigkeiten gespammt und man konnte wieder einmal glauben Jesus sei in Kalifornien erschienen. Nachdem sich nun der ganze Pulverrauch gelegt hat, steht (wieder einmal) eines fest: Viel Lärm um wenig. Das iPhone wurde weiterentwickelt. Ok. Und es ist nun auch in Quietschefarben erhältlich, allerdings aus Sicht der meisten viel zu teuer. Auch egal. Insofern könnte man über diesen Launch eigentlich gnädig schweigend hinwegsehen. Eigentlich. Wenn da nicht ein ganz wesentliches Detail wäre.

Das iPhone ist seit dem 10. September für Anwender, die einen Rest an Sicherheitsbewusstsein haben komplett tot. Apple hat sich sein persönliches 9-11 beschert, frei nach nach Motto ‚Ist der Ruf erst ruiniert, lügt es sich ganz ungeniert!‘ Vielleicht hat man deshalb unbewusst auch die Nähe beim Datum gesucht? Zumindest steht seit vorgestern eines fest, was wir seit Monaten immer wieder betonen – Sicherheit im Enterpriseumfeld ist aktuell nur mit Android umsetzbar. Bei allen Problemen, die natürlich auch Android verursacht.

Warum ist das so?

Apple hat sich entschieden in das iPhone 5S einen Fingerabdrucksensor einzubauen. Ja, wirklich! Nach exakt drei Monaten PRISM, Tempora & Co ist dies die nächste Steigerung im Datagate-Skandal. Der Skandal ist umso größer, wenn man einmal genauer darüber nachdenkt. Apple verfügt über ein sehr gutes Marketingteam mit Phil Schiller an der Spitze, sicher eines der besten Marketingteams der Welt. Diese Profis wussten spätestens am 15. Juni die Bedeutung von PRISM & Co einzuschätzen und haben erkannt, dass der Fingerabdrucksensor mit keiner noch so guten Kommunikationsstrategie der Welt verkauft und gerechtfertigt werden kann. Dass diese Profis ohne Not ihr Flaggschiff so kompromittieren, ist unvorstellbar.

Der Umkehrschluss legt die vermutliche Realität dar – die Not muss riesengross sein! Ich bin mir sehr sicher, dass der Fingerabdrucksensor eine Auftragsarbeit für die NSA ist und dass in Fort Meade (Hauptquartier der NSA) vorgestern wieder laut ‚Champagner‘ gebrüllt wurde, genauso wie beim Erfolg von WhatsApp, der Elliptic Curve Cryptography von BlackBerry und und und … Der 10.09.2013 könnte der Startpunkt für den nächsten großen Abstieg von Apple sein, was viele freuen wird.

Udo Vetter bringt den Skandal in seinem Lawblog im Beitrag Danke, Apple vor dem Hintergrund des deutschen Strafrechts auf den Punkt:

Unwidersprochener Fakt ist bislang, dass die NSA so ziemlich an alle Daten herankommt, die sie haben will. Warum sollten lokal gespeicherte Fingerabdrücke hiervon ausgenommen sein? Selbst ein hoch und heiliges Versprechen Apples, die Daten nicht auf eigene Server zu kopieren, steht und fällt mit der Bereitschaft der NSA und anderer Geheimdienste, sich ebenfalls daran zu halten.

Vetter erläutert den Kern des Problems präzise:

Jeden Tag beschlagnahmen deutsche Kriminalbeamte hunderte, wenn nicht tausende Mobiltelefone. Sogar ohne richterlichen Beschluss dürfen sie in vielen Fällen die gesamten Geräteinhalte unter die Lupe nehmen. Für Fingerabdrücke gibt es keine Ausnahme.

Wer so ein mögliches Beweismittel selbst aus der Hand gibt, um sein Handy bequemer aktivieren zu können, kann sich später nicht auf Verwertungsverbote berufen. Die Fingerabdrücke sind noch nicht mal Kommunikationsdaten im engeren Sinn, für welche die kargen Reste des Telekommunikationsgeheimnisses gelten.

Auch so wird die Polizei das Fingerabdruck-Ident toll finden. Das Passwort zu meinem Handy muss ich nach geltender Rechtslage als Beschuldigter (und erst recht als Zeuge) nicht nennen. Dafür gibt es das Schweigerecht.

Im Zusammenhang mit der NSA gibt der Fingerabdruck noch mehr Sinn, denn die USA sammeln seit Jahren alle Fingerabdrücke der Welt – 9-11 ist die Rechtfertigung für dieses orwellsche Szenario. Wer noch nicht in den USA war muss wissen, dass man bei der Einreise mittlerweile alle 10 Fingerabdrücke abgeben muss und auch Amerikaner müssen dies in vielen Alltagssituationen immer wieder tun. Wird jetzt das Bild rund für Sie?

Sie können sich als Besitzer eines iPhone 5S nicht mehr anonym bewegen. Ihnen hilft kein Fakename mehr. Ihnen nutzt keine Fake-Mailadresse. Die Prepaidkarte schützt Sie nicht mehr. Die Überwachung ist lückenlos, der Kreis wurde geschlossen.

Ich bin gespannt, ob dieser Skandal Apple das Genick brechen wird. Ich hoffe es. Denn der 10.09.2013 hat dem iPhone endgültig seine Unschuld genommen und macht Apple zum Täter. Täter gegen die Demokratie. Täter gegen die Selbstbestimmung der Menschen. Und Täter gegen die Freiheit. Technologie erfordert Verantwortung und ethisches Handeln. Nicht alles was möglich ist, darf möglich gemacht werden. Dies gilt für viele Technologien von A- bis C-Waffen. Das iPhone 5S ist durch den Fingerabdrucksensor eine Waffe. Eine Waffe gegen seinen Benutzer.

Deshalb: Firmen, die solche Technologien verbreiten, sollten aus dem Markt verschwinden – es liegt in unserer Hand Apple diese Lektion zu geben.

Tschüss, Apple?


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  1. […] iPhone 5S — Nach vorne den­ken? OK! -> Apple steigt zum Waf­fen­her­stel­ler auf — Das W… […]

  2. […] und dem Fin­ger­print­sen­sor im neuen iPhone 5S zum Aus­druck brach­ten, der Bei­trag iPhone 5S — Nach vorne den­ken? OK! -> Apple steigt zum Waf­fen­her­stel­ler auf — Das W… war in den letz­ten fünf Tagen der meist­ge­le­sene Bei­trag hier im Blog und trifft die […]

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