Gart­ner tes­tet Mobi­le Device Manage­ment (MDM) im Mai 2012 — was sind die Kriterien?

Unser Arti­kel Gart­ner ver­öf­fent­licht Mobi­le Device Manage­ment Report 2012 mit Magic Qua­drant – Eine kri­ti­sche Sicht trifft auf viel Inter­es­se. Wir haben mit­ter­wei­le die aktu­el­le „Unter­su­chung” gele­sen und stau­nen, was die­se Exper­ten sich zutrau­en zu beur­tei­len! Wir haben des­halb ein­mal die Beur­tei­lungs­kri­te­ri­en der aktu­el­len „Unter­su­chung”

Magic Qua­drant for Mobi­le Device Manage­ment Software

über­setzt. Wir glau­ben näm­lich, dass Gartner’s „Unter­su­chun­gen” gele­sen wer­den, ohne dass die weit über­wie­gen­de Mehr­heit der Leser sich jemals Gedan­ken über die Bewer­tungs­kri­te­ri­en macht. Dies ist falsch. Denn die Bewer­tungs­kri­te­ri­en zei­gen die erstaun­li­che Hybris mit der sich Gart­ner unter­such­ten Pro­duk­ten und Unter­neh­men annimmt. Zum einen haben die „Unter­su­chungs­kri­te­ri­en” in der Mehr­heit wenig bis gar nichts mit dem unter­such­ten The­ma zu tun, zum ande­ren kann Gart­ner das meis­te, was vor­ge­ge­ben wird, unter­sucht zu wer­den, nicht seri­ös unter­su­chen /​unter­sucht haben.

In der fol­gen­den Über­set­zung der Bewer­tungs­kri­te­ri­en der Unter­su­chung „Magic Qua­drant for Mobi­le Device Manage­ment Soft­ware” habe ich mei­ne Kom­men­ta­re hervorgehoben.

Defi­ni­ti­on der Untersuchungskriterien

Fähig­keit zur Umsetzung

Pro­dukt /​Ser­vice: Schlüs­sel­pro­duk­te und ‑dienst­leis­tun­gen die den defi­nier­ten Markt bedie­nen. Dies beinhal­tet die Erfül­lung der (von Gart­ner) mit Unter­kri­te­ri­en vor­ge­ge­be­nen Pro­dukt­de­fi­ni­ti­on in den aktu­el­len Eigen­schaf­ten des Pro­duk­tes und den Ser­vices, der Qua­li­tät, den Fea­tures, den Fähig­kei­ten usw., ent­we­der selbst im Pro­dukt oder über OEM-Partnerschaften.

Gart­ner defi­niert Pro­duk­te! Mit Con­sul­tants, deren Kom­pe­tenz hier­für zumin­dest hin­ter­fragt wer­den darf. Die Anfor­de­run­gen selbst wer­den mit „usw.” kon­kre­ti­siert! Der Höhe­punkt ist dann, dass es Gart­ner egal zu sein scheint, ob ein Unter­neh­men /​Pro­dukt selbst die Anfor­de­run­gen erfüllt oder dies durch eine OEM-Lösung erreicht.

Gesamt-Trag­fä­hig­keit (Fir­ma /​Busi­ness-Unit, Finan­zen, Stra­te­gie, Organisation)

Die Gesamt-Trag­fä­hig­keit beinhal­tet eine Unter­su­chung der Gesamt-Boni­tät des Unter­neh­mens, des finan­zi­el­len und tat­säch­li­chen Erfol­ges und die Beur­tei­lung der Wahr­schein­lich­keit, dass die Inves­ti­ti­on in das Pro­dukt zukünf­tig fort­ge­setzt, das Pro­dukt wei­ter­hin ange­bo­ten und auf dem Stand der Tech­nik gehal­ten wird.

Gart­ner kann über­haupt nicht aus­rei­chend Kennt­nis­se besit­zen, um hier­zu eine seriö­se Ant­wort zu geben. Hier wird vor­ge­ge­ben etwas zu erfül­len, was nie erfüllt wer­den kann.

Ver­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on /​Preis­bil­dung

Die Fähig­kei­ten des Anbie­ters in allen Pre­sa­les-Berei­chen und die damit ver­bun­de­ne Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur. Dies beinhal­tet den Ver­triebs­in­nen­dienst, Preis­bil­dung und Ver­hand­lungs­füh­rung, den Pre­sa­les Sup­port und ins­ge­samt die Effek­ti­vi­tät der Vertriebswege.

Abge­se­hen davon, dass die­ser Bereich sehr wenig zur Qua­li­tät eines Pro­duk­tes aus­sagt, stellt sich die Fra­ge, wor­aus Gart­ner die Kom­pe­tenz ablei­tet, die­sen Bereich über­haupt beur­tei­len zu können.

Ein­stel­lung zu Marktveränderungen

Fähig­keit sich auf Markt­ver­än­de­run­gen ein­zu­stel­len, Ände­run­gen vor­zu­neh­men und Erfolg aus sich bie­ten­den Gele­gen­hei­ten, Wett­be­werbs­ver­hal­ten, Kun­den­an­for­de­run­gen und dyna­mi­schen Markt­ver­än­de­run­gen zu ent­wi­ckeln. Die­ses Kri­te­ri­um bewer­tet auch das dies­be­züg­li­che Ver­hal­ten in der Vergangenheit.

Erneut: Hier sug­ge­riert Gart­ner den „abso­lu­ten” Markt­über­blick zu haben. Dass sie die­sen Über­blick nicht haben, doku­men­tiert allein schon der äußerst unvoll­stän­di­ge Über­blick über die aktu­el­len Anbie­ter in die­ser Studie.

Durch­füh­rung des Marketing

Bewer­tet wird die Klar­heit, Qua­li­tät, Krea­ti­vi­tät und Wirk­sam­keit des Mar­ke­ting­kon­zep­tes, die Bewer­bung von Mar­ke und Geschäft, die Stei­ge­rung der Pro­dukt­wahr­neh­mung und die Errei­chung einer posi­ti­ven Wahr­neh­mung von Pro­dukt, Mar­ke und Fir­ma bei den (poten­ti­el­len) Käu­fern. Die­se Bekannt­heit kann aus einer Kom­bi­na­ti­on von Wer­bung, Pro­mo­ti­ons, attri­bu­ier­ter Füh­rungs­rol­le (im Markt), Mund­pro­pa­gan­da und Ver­triebs­ak­ti­vi­tä­ten bestehen.

In die­sem Bereich hat Gart­ner zwei­fels­frei Kom­pe­ten­zen, die über­schätz­te Wahr­nehm­nung der Fir­ma zeigt dies. Aller­dings hat die Qua­li­tät des Mar­ke­ting über­haupt kei­ne Aus­sa­ge­kraft für die Bewer­tung der Qua­li­tät eines MDM-Systems.

Erleb­nis für den Kunden

Gestal­tung der Kun­den­be­zie­hung und Pro­gram­me zu Pro­duk­ten und Dienst­leis­tun­gen, die es dem Kun­den ermög­li­chen, die Pro­duk­te erfolg­reich ein­zu­set­zen. Dies beinhal­tet ins­be­son­de­re die Art des tech­ni­schen und kauf­män­ni­schen Sup­ports. Beur­teilt wer­den auch ergän­zen­de Wege und Mit­tel, Pro­gram­me zur Kun­den­un­ter­stüt­zung (und deren Qua­li­tät), die Ver­füg­bar­keit von User-Grup­pen, SLAs und ähnlichem.

Die Beur­tei­lung die­ses wich­ti­gen Berei­ches vom Schreib­tisch aus durch einen Con­sul­tant zeigt die Welt­fremd­heit des Gartner’schen Untersuchungsansatzes.

Fir­men­or­ga­ni­sa­ti­on

Die Fähig­keit Zie­le und Ver­ein­ba­run­gen zu errei­chen. Hier­zu zäh­len die Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur unter der Beach­tung von Fähig­kei­ten, Erfah­run­gen, Pro­gram­men, Sys­te­men und ande­ren Mit­teln, die die Orga­ni­sa­ti­on in die Lage ver­set­zen nach­hal­tig effek­tiv und effi­zi­ent zu operieren.

Die Eva­lu­ie­rung und Bewer­tung einer Fir­men­or­ga­ni­sa­ti­on nach ISO 9001 ff dau­ert Wochen. Die meis­ten MDM-Anbie­ter sind nicht ISO-zer­ti­fi­ziert. Gart­ner kann natür­lich auch die­sen Bereich als Unter­punkt — qua­si im Vor­bei­ge­hen — zertifizieren.

Abde­ckungs­grad

Markt­ver­ständ­nis

Fähig­keit des Anbie­ters zum Ver­ständ­nis der Kun­den­be­dürf­nis­se und zur Umset­zung die­ser in Pro­duk­te und Ser­vices. Anbie­ter mt der am bes­ten aus­ge­präg­ten Visi­on beach­ten und ver­ste­hen die Kun­den­be­dürf­nis­se und kön­nen die­se durch ihre Visi­on auf­neh­men oder verstärken.

Abge­se­hen davon, dass es sich hier­bei — wie bei den meis­ten Gart­ner-Kate­go­rien — um ein sehr wei­ches, inter­pre­ta­ti­ons­fä­hi­ges Kri­te­ri­um han­delt, erkennt jeder Leser schnell, dass die­ses Kri­te­ri­um nicht objek­ti­vier­bar ist (wie vie­le ande­re auch). Wie soll man Markt­ver­ständ­nis mes­sen? Jeder Anbie­ter hat sein Markt­ver­ständ­nis, dass Gart­ner gar nicht ange­mes­sen bewer­ten kann, da Gart­ner den Markt nicht mit der Sicht­wei­se des jewei­li­gen Anbie­ters beur­tei­len kann.

Mar­ke­ting­stra­te­gie

Kla­re und dif­fe­ren­zier­te Kern­bot­schaf­ten wer­den schlüs­sig in der Fir­ma und nach außen über die Web­sei­te, Anzei­gen, Kun­den­pro­gram­me und PR kommuniziert.

Sie­he Durch­füh­rung des Marketing

Ver­triebs­stra­te­gie

Die Stra­te­gie zum Ver­trieb der Pro­duk­te, die die ange­mes­sens­te Kom­bi­na­ti­on aus direk­tem und indi­rek­tem Ver­trieb, Mar­ke­ting, Ser­vice und PR zur Ver­bes­se­rung und Ver­tie­fung der Markt­durch­drin­gung bie­tet sowie Fähig­kei­ten zum Ver­trieb, Erfah­rung, Tech­no­lo­gien, Dienst­leis­tun­gen und Kundenbasis.

Sie­he Vertriebsorganisation

Pro­dukt­stra­te­gie

Der Pro­dukt­ent­wick­lungs-Ansatz des Anbie­ters mit der Beto­nung auf Unter­schei­dung, Funk­tio­na­li­tä­ten, Metho­lo­gien und Fea­tures, die gegen­wär­ti­gen und zukünf­ti­gen Anfor­de­run­gen entsprechen.

Abge­se­hen von der Tat­sa­che, dass in die­sem Bereich gut ist, was Gart­ner gefällt und ent­spricht — kein Anbie­ter wird Gart­ner so weit hin­ter die Kulis­sen bli­cken lassen.

Busi­ness­mo­dell

Ver­läss­lich­keit und Logik des Geschäftsmodelles.

Auch hier gilt: Der Anspruch das Busi­ness­mo­dell von über 100 Anbie­tern als Unter­ka­te­go­rie mit einer Hand­voll Gart­ner Con­sul­tants bewer­ten kön­nen zu wol­len zeugt von gren­zen­lo­ser Hybris.

Aus­rich­tung auf Bran­chen /​Ver­ti­ka­le Segmente

Stra­te­gie des Anbie­ters das ver­füg­ba­re Ange­bot auf bestimm­te Bran­chen aus­zu­rich­ten unter Ein­be­zie­hung ver­ti­ka­ler Märkte.

Sie­he Businessmodell.

Inno­va­tio­nen

Ver­füg­ba­re Res­sour­cen, Erfah­run­gen und Mit­tel für Invest­ment, Kon­so­li­die­rung, Erhal­tung oder vor­beu­gen­de Maß­nah­men (zum Erhalt und /​oder Aus­bau des Marktanteiles).

Sie­he Businessmodell.

Geo­gra­fi­sche Strategie

Fähig­keit des Anbie­ters zur Anpas­sung außer­halb der Hei­mat­mark­tes, direkt oder durch Part­ner, Chan­nels oder Nie­der­las­sun­gen — je nach Markt.

Sie­he Businessmodell.

Man sieht sehr gut, dass Gartner’s Unter­su­chungs­an­satz sehr vie­le Kate­go­rien in die Bewer­tung ein­be­zieht, die ein Anwen­der gar nicht als Unter­su­chungs­kri­te­ri­en erwar­tet. Die Kri­te­ri­en sind an vie­len Stel­len (bewusst?) unscharf und erlau­ben nahe­zu belie­bi­ge Inter­pre­ta­tio­nen. Ein Markt mit über hun­dert Anbie­tern welt­weit wird von einer klei­nen Grup­pe Con­sul­tants ana­ly­siert, von denen die meis­ten noch nie im Leben mit den Unter­su­chungs­ge­gen­stän­den gear­bei­tet haben (dürf­ten).

Was eine sol­che Unter­su­chung Wert ist, kann jetzt jeder Leser für sich allein bewerten …


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