Einer unserer Leser schrieb mir vor vier Wochen folgende Mail:
Sehr geehrter Herr Düll,
seit ein paar Wochen lese ich das Blog. Ich habe es auf Google gefunden, weil ich nach bring your own device gesucht habe. Bei uns in der Firma nämlich drehen alle durch wegen dem. Das fing damit an, dass unsere Chefs alle iPhones und Ipads kriegten, weil sie mit Blackberry nicht mehr arbeiten konnten. Dann kam unser Serviceleiter an und wollte für seine Leute Tabletts haben ohne das wir auch nur eine App für den Service haben. Er meinte das wäre besser für seine Jungs wenn die abends im Hotel sind wegen Surfen und so. Ich sagte ihm noch, dass das Blödsinn ist weil die ja alle ein Notebook haben. Aber da können sie nicht so surfen wie sie wollen meinte er, was stimmt, weil wir die Notebooks mit einer Lösung für Endpoint Security managen.
Der Serviceleiter ist ziemlich beliebt bei unserem Geschäftsführer und keiner will sich mit ihm anlegen, deshalb haben jetzt alle Techniker xxx € gekriegt, damit sie sich ein Tablet kaufen können, was ihnen gefällt. Und die SIM-Karte haben sie jetzt auch noch von der Firma gekriegt. Für die Firma wäre es billiger geworden ihnen Videos im Hotel zu bezahlen. Ich wollte die Tabletts für unser Netz sperren, das gab einen Riesenärger. Unser Geschäftsführer sagte zu mir, dass es doch sinnvoll sei wenn die Servicetechniker Ihre Mails vom Tablett machen können, das würden jetzt alle Firmen so machen, die mit der Zeit gehen. Wenn die Techniker mit ihrem Tablett nicht klar kommen, kommen sie zu mir oder rufen mich an. Die haben sich X verschiedene Tabletts gekauft (bei XX Leuten). Als ich denen gesagt habe, das mich das nichts angeht, gab es den nächsten Einlauf und ich wurde gefragt ob ich keinen Spass mehr auf der Arbeit hätte. Als ich meinem Chef sagte, dass ich von den Geräten keine Ahnung habe sagte der mir nur dann lernen sie es. Ich habe aber keines von den Geräten!!! Als ich sagte, dass das so ist, wurden die Geräte ganz schnell gekauft und jetzt soll ich die Geräte so schnell es geht lernen. Vor dem Kauf von den Geräten habe ich meinem Chef gesagt, dass er doch mal das Blog (Anm. KD: Pretioso-Blog) lesen soll damit er sieht dass byod Probleme macht. Hat er nicht, er kennt sich aus hat er gesagt. Jetzt habe ich ihm noch einmal eine Liste gemailt mit drei Firmen für Device Management, damit wir das mal testen können. Er sagte nur, das brauchen wir nicht, weil das mein Job ist.
Ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht kann und dass man doch auch bei den Blackberrys kein Problem hätte und das das ja schon seit Jahren gut läuft. Ich bekomme ihm nicht erklärt, dass man BlackBerry nicht mit Apple vergleichen kann und auch nicht mit Samsung und HTC und LG. Er ist nicht blöd und ich glaube er will mich nicht verstehen. Mich nimmt hier keiner mehr Ernst und ich muss Sachen tun, die ich nicht verstehe und die ich nicht will. Deshalb suche ich mir einen neuen Job und hätte mich auch schon bei Pretioso beworben wenn das hier in der Nähe wäre. Ich verstehe nicht warum mich die Firma auf Schulung schickt, ich Trainings kriege und dann keiner auf mich hört und ich am Ende noch Arbeit machen muss, die ich gar nicht kann. Sie können meine Mail gerne im Blog drucken, aber bitte entfernen sie die Zahlen und Firma und Namen. Wobei es mir auch egal ist, wenn das jetzt mein Chef liest, denn dann ist es halt so.
Wenn Sie jemand kennen, der einen Admin mit meiner Ausbildung sucht, freue ich mich wenn Sie meinen Lebenslauf ihm geben, den ich mitschicke. Ich kann aber nur in der Region XXX wechseln wegen XXX.
Viele Grüße
XXX XXX
Krass. Aber leider auch Alltag in manchen deutschen Firmen. Wir reden hier nicht von einer 20 Mann-Firma. Wir reden von einem bekannten Unternehmen mit 500 Mitarbeitern als Teil einer Unternehmensgruppe. Aber selbst wenn sich die Geschäftsführung vorbildlich verhalten würde und selbst wenn der direkte Vorgesetzte seine Aufgabe auch nur annähernd erfüllen würde zeigt der Bericht doch ein ganz wesentliches Problem. BYOD mag noch so sehr gehypt werden von den Befürwortern. Diese übersehen regelmäßig eines – den Mitarbeiter in der IT, der gar nicht in der Lage ist, den von ihm verlangten Support in der schönen neuen Welt zu leisten – selbst bei optimaler Ausstattung und Unterstützung.
Denn der immer wieder beschworene Effekt, dass Mitarbeiter mit eigenen Geräten besser zurecht kommen und weniger Supportaufwand entsteht ist ein Ammenmärchen – es stimmt einfach nicht. Es mag sein, dass die kleine Gruppe der besonders technikaffinen Mitarbeiter von diesem Vorurteil erfasst werden, für die Mehrheit der Mitarbeiter gilt dies nicht. Und spätestens, wenn es an den Rollout von Applikationen und Apps auf die individuellen Geräte der Mitarbeiter geht, ist die schöne BYOD-Welt als das entlarvt, was Sie seit dem ersten Konzeptgedanken war – als Hirngespinst praxisfremder und auf Aufträge schielender Consultingfirmen – nachzulesen im Beitrag BYOD Bring Your Own Device – Eine der dümmsten Ideen aller Zeiten von Gartner, Forrester und Vorständen.
Nachsatz:
Ich habe diese Mail nicht veröffentlicht, solange der Autor noch keine neue Aufgabe gefunden hatte, da die Situation meines Erachtens vom Unternehmen erkannt werden kann und ich ihm keine Probleme verursachen wollte. Der Autor der Mail hat sehr rasch eine neue Aufgabe gefunden, wir hätten ihn auch gern genommen. Als er seinem Chef die Kündigung gab, war dieser total überrascht und bot ihm an, über alles reden zu können. Das hätte er sich mal früher überlegen müssen …
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