Die Nachrichten, die mich schon in der vergangenen Nacht erreichten sind alles andere als schön. RIM streicht 5000 Stellen – Massenentlassungen werden bloß leider auch nicht die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit aufwiegen können. Bei RIM ist jetzt eine unselige Allianz aus Bankern und Managern am Ruder – das verspricht Zerschlagung oder Verkauf – aber auf keinen Fall eine erfolgreiche Sanierung. Denn Banker können nicht sanieren und Manager, die sich von Bankern beraten lassen haben in ihrer Verzweiflung keine vernünftigen Handlungs-Optionen mehr. Schade!
Die schlechten Nachrichten sind im Kern:
- Abbau von 5000 Arbeitsplätzen (knapp ein Drittel aller bestehenden)
- BlackBerry 10 verzögert sich unbestimmt
- Umsatzrückgang um 43%
- Verlust von 518 Mio $ nach 695 Mio $ Gewinn im vergleichbaren Vorjahresquartal
Schon am 23.01.2012 habe ich im Artikel Thorsten Heins neuer CEO von Research in Motion (RIM) starke Zweifel geäußert, dass Heins der richtige Mann am richtigen Platz ist, als er zu seiner Amtseinführung von RIM als “growing company” sprach. Damals dachte ich nur: “Was raucht der denn?”. Denn man darf nicht vergessen, dass er als COO maßgeblicher Teil der Problemverursacher für RIM’s Krise war. Und auch vorher ist er noch nie dadurch aufgefallen, dass er auch nur Bäumchen ausgerissen hätte – entsinnt sich jemand an Erfolge der Kommunikationssparte von Siemens, wo er zuvor war? Und dass er es nicht kann hat er zuletzt auf der vermutlich nie wieder stattfindenden BlackBerry World nachgewiesen, wie ich im Beitrag BlackBerryWorld 2012 bringt BlackBerry 10 – Desaster ist ein Kompliment für die General Session seinerzeit kommentiert habe.
Auf der BlackBerry World wurde das neue BlackBerry 10 für Q4/2012 versprochen, schon damals schrieb ich: “They can’t deliver products on time and dream from cars. Exciting!” Für mich war es eigentlich logisch, dass RIM nunmehr ankündigt, dass BlackBerry 10 dieses Jahr nicht mehr kommt, das war ja noch nie anders! Ich kann mich an keinen Termin erinnern, den RIM je eingehalten hätte. Damit ist auch 2012 das Weihnachtsgeschäft schon jetzt für RIM gelaufen, denn wer will denn noch eine der Antiquitäten erwerben, die sie aktuell im Angebot haben.
Genauso lustig ist der Versuch von RIM mit BlackBerry Mobile Fusion im Markt für Mobile Device Management Fuss fassen zu wollen. Die Updates in diesem auf äußerste Agilität angewiesenen Produktbereich von RIM unterbieten die Updatefrequenz von Microsoft Office deutlich, was natürlich bedeutet, dass man mit neuen Geräten immer Probleme hat. Ich habe mich schon immer gewundert, warum RIM sich in den MDM-Markt begeben hat, wo es fast ausschließlich auf Fähigkeiten ankommt, die ich bei RIM noch nie entdeckt habe – Schnelligkeit, Flexibilität, auf den Markt hören, Improvisation und manches mehr, was nur flexible, agile Unternehmen leisten können.
Die Aktie erreichte daher heute mühelos ein neues Tief von 7,34 $, aber da ist noch viel Luft nach unten, weil RIM mittlerweile jegliche Vision abhanden gekommen ist. Da werden derzeit von RIM Werbeveranstaltungen für BlackBerry 10 – auch in Deutschland – veranstaltet, wo man die App Entwickler förmlich anfleht, doch für BlackBerry 10 zu entwickeln. Warum soll das ein Entwickler tun? Das Risiko, seine Zeit zu verschwenden ist deutlich größer als jemals einen Ertrag zu erhalten. Mich erinnert RIM mittlerweile an Erich Honnecker, der auf der Feier zum 40. Jahrestag der DDR am 7.10.1989 verkündete: “Vorwärts immer, rückwärts nimmer!” Einen Monat später war der Spuk vorbei.
Genauso schnell wird das Ende von RIM kommen – meines Erachtens noch in diesem Jahr.
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