Freitag war ein guter Tag! Noch vor der weltweiten Demonstrationswelle am Samstag kapitulierten die Dilettanten, die uns regieren, und legten ACTA auf Eis. Melanie Amann und Hendrik Ankenbrand haben die Bewegung, die dazu geführt hat, in einem guten Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung beschrieben – Aufstand der Generation Internet.
Samstag war ein noch besserer Tag. Tausende bewiesen weltweit, dass die Intelligenz des Schwarmes – also wirkliche Demokratie – nicht nur im Mittleren Osten und Diktaturen wie Russland und China funktioniert. Sie zeigte, dass die Menschen auch in repräsentativen Demokratien von ihren “Volksvertretern” die Schnauze voll haben. Was ist an den Menschen, die in Berlin, Paris, London, Athen, Brüssel, Washington etc. in den Parlamenten sitzen eigentlich repräsentativ bei Wahlbeteiligungen um oder unter 50% ?
Amann und Ankenbrand schreiben sehr zutreffend:
Aus der Unionsfraktion heißt es, Acta habe „kein Einziger auf dem Schirm gehabt“. Nun dämmert es vielen: Schwarz-Gelb ist offline. Angesichts der Wahlerfolge der Piratenpartei macht das den Politikern vor allem eines: nackte Angst. Diese Geschichte begann mit einem Gesetz. Sie endet mit einer Revolution: Gegen die Twitter-Generation geht künftig nichts mehr.
Stimmt nicht ganz. Sie haben doch den Fachmann für Urheberrecht und Internet – Ansgar Heveling. Und wie der denkt, hat er ja gut nachvollziehbar dargestellt. Doch er ist keine Ausnahme im Heer der Luschen und des Mittelmaßes. Amann und Ankenbrand weisen auch hierauf zutreffend hin:
Von 750.000 Abmahnungen wegen Filmpiraterie im Jahr sprach jüngst Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger. Die Liberale redet neuerdings viel davon, dass im Urheberrecht nicht Rechtsverstöße, sondern Rechtsanwälte das Problem seien. Auch bei Acta hat Leutheusser-Scharrenberger nun eine schnelle Drehung aufs Parkett gelegt. Noch vor Tagen hatte sie das Gesetz vehement verteidigt. Nun heißt es plötzlich, erst mal müssten „alle Fakten auf den Tisch“.
Das ist ja nun wirklich nicht überraschend bei einer FDP-Politikerin! Die Wende als Standardstilmittel, die Beliebigkeit als Profil, Stillosigkeit als Kernkompetenz. Wen wundert es, dass von solchen “Volksvertretern” ein Wulf zum Präsidenten gewählt wird? Mich nicht, denn er ist ein ausgezeichneter Repräsentant derjenigen, die ihn vorgeschlagen und dann auch gewählt haben – inkompetenter, überforderter und teilweise auch nicht integrer Politiker.
Aber der Freitag und der Samstag machen Mut – zeigen die Tage doch einen alternativen Weg für zukünftige Meinungsbildungsprozesse auf. Die Tage zeigen auch, dass das Ende des politischen Systems, wie es heute betrieben wird, abzusehen ist, denn die stärkste Partei in diesem Land – die “Nichtwähler”, zu denen ich seit Jahren auch gehöre, indem ich immer zur Wahl gehe und absichtlich meinen Stimmzettel ungültig mache – erhält durch die neuen Partizipationsmöglichkeiten endlich die Möglichkeit sich zu beteiligen und einzubringen. Es stimmt:
Gegen die Twitter-Generation geht künftig nichts mehr.
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